Das wunderschöne Rapadalen im Sarek Nationalpark

Lappland: 3-tägige Wanderung mit Zelt nach Aktse und auf den Skierffe

In Europa, Schweden by Naddl5 Comments

Laut pfeift der Wind um die senkrechte 700 Meter hohe Steilwand des Skierffe. Zu unserer Rechten liegen die schneedeckten 2000 Meter hohen Gletscher des Sarek Nationalparks, zu unserer Linken erstreckt sich der Laitaure See inmitten einer bunten Herbstlandschaft. Direkt unter unseren Füßen fließen die unzähligen Arme des Rapaälvs in den Laitaure See und bilden dabei das imposante Rapadelta – ohne Zweifel eine der außergewöhnlichsten und schönsten Landschaften Europas. Durch die große Menge an mitgeführtem Sediment und Gletscherschutt, leuchten die Flussläufe in den unterschiedlichsten Blautönen. Elche lieben das Flussdelta mit seinem türkisfarbenen Wasser, den saftig grünen Wiesen und den weißgrauen Sandbänken. Die 3-tägige Wanderung von Tjåmotis zwischen Kvikkjokk und Jokkmokk zur Fjällstation Aktse und auf den berühmten Skierffe war sicherlich das Highlight unserer Schwedenreise! Ihr habt Lust auf eine Trekkingtour in Lappland bekommen? In unserem Artikel findet ihr alle Details und Informationen zu der Wanderung mit Zelt nach Aktse und auf den Skierffe!

Panorama über das Rapadelta im Sarek Nationalpark
Das Rapadelta im Sarek Nationalpark ist sicherlich eines der schönsten Täler Europas

Inhalt

Die Trekkingtour mit Zelt nach Aktse und auf den Skierffe im Überblick

Schon die Anfahrt auf der einsamen Straße zwischen Jokkmokk und Kvikkjokk lässt erahnen, welch unberührte Natur uns in den nächsten Tagen erwarten wird. Am Tjaktjajaure Stausee verabschieden wir uns schließlich für ein paar Tage von unserem Auto. Die Mehrtagestour wird uns in 3 – 5 Tagen (abhängig von Wetter und Kondition) an den Rand des Sarek Nationalparks, eines der letzten Wildnisgebiete Europas, führen. Die Wanderung beginnt recht eintönig auf einem 10 km langen Quadweg an der Sitoälvsbron bis zum Bootsanleger am Laitaure See.

Von hier wandern wir weitere 6 km auf einem mit Holzstegen gesichertem Wanderweg durch Moor – und Waldgebiet, bis wir schließlich das malerische Aktse erreichen. In der Umgebung oder direkt an der Fjällstation befinden sich viele Möglichkeiten zum Zelten. Am nächsten Tag geht es hoch hinaus: mit leichtem Gepäck erklimmen wir den 1179 Meter hohen Gipfel des Skierffe und erleben den vielleicht atemberaubendsten Ausblick Lapplands. Nach insgesamt 15,2 km genießen wir unsere zweite Nacht in Aktse, bevor es wieder zurück zum Parkplatz an der Sitoälvsbron geht.

Blick vom Gipfel des Skierffe auf das Rapadelta
Blick vom Gipfel des Skierffe auf das Rapadelta

Sicherheit auf der Wanderung mit Zelt nach Aktse und auf den Skierffe

Schwierigkeitsgrad der Tour

Der Sarek Nationalpark gilt als eines der letzten Wildnisgebiete Europas. Im Herzen des Nationalparks gibt es keine Wanderwege und kein Handynetz, dafür müssen etliche Flüsse durchquert werden. Zu allem Überfluss kann man mit etwas Glück (oder Pech) auch mal auf einen Bären treffen. Und obwohl der Skierffe nur am Rand des Sarek Nationalparks liegt und ein beliebtes Tagesziel für Fernwanderer des viel begangenen Kungsledens ist, sollte er nicht unterschätzt werden. Durch seine exponierte Lage ist der senkrecht abfallende Skierffe sehr anfällig für extrem schnelle Wetterwechsel. Schnee, Sturm und Nebel sind die Hauptgefahren bei dieser eigentlich mittelschweren Bergtour. Dann gestaltet sich die Wegfindung auf der häufig matschigen Tour äußerst schwierig. Lieber einen Tag mehr im Zelt einplanen, als ein Risiko eingehen! Die restlichen Abschnitte der Trekkingtour verlaufen meistens auf Holzstegen oder sehr gut ausgebauten Wander- und Quadwegen und stellen somit kein besonderes Problem dar.

Der Sarek Nationalpark in den bunten Farben des Herbstes
Der Sarek Nationalpark leuchtet in den bunten Farben des Herbstes

Ausrüstung beim Trekking nach Aktse und zum Skierffe

Wanderschuhe

Über 32 km der Wanderung verlaufen auf einfachen, ebenen Wegen. Hier sind leichte Wanderschuhe absolut ausreichend. Die 16 km lange, mittelschwere Bergwanderung von Aktse auf den Gipfel des Skierffe und zurück führt zuerst über steinige Wege und durch einige größere Matschpassagen, bevor sie dann weitgehend trocken übers Fjell verläuft. Je nach Jahreszeit (und Wetterbedingungen) muss im oberen Bereich mit Schneefeldern gerechnet werden. Mit knöchelhohen, wasserfesten Wanderschuhen kommt ihr aber ohne Probleme trockenen Fußes auf den Gipfel! Ich habe leider einen absoluten Anfängerfehler gemacht und meine neuen, viel zu harten Bergstiefel angezogen. Das passiert, wenn man jahrzehntelang in seinen bequemen, ausgelatschten Stiefeln herumspaziert und Fußprobleme einfach nicht kennt. Der Übermut wurde zwar mit absolut trockenen und warmen Füßen, dafür aber auch mit einer Achillessehnenentzündung belohnt, die mir noch einige Wanderungen in Lappland vermiest hat! Don´t try this at home! ;)

Bekleidung und Nützliches

Wie überall im Norden ist gute Wetterschutzkleidung ein absolutes Muss! Eine leichte Daunenjacke gegen Kälte, Regenkleidung, Handschuhe und Mütze – da kommt einiges zusammen! Selbst im Sommer müsst ihr rund um den Kungsleden mit Schneefällen und Sturm rechnen. Wanderstöcke können bei der Balance im matschigen Gelände behilflich sein. Außerdem empfehlen wir wie immer gutes Kartenmaterial* oder ein GPS-Gerät*, ein Erste-Hilfe-Set* und verlässliche Stirnlampen*! Besonders in der Nebensaison seid ihr häufig auf euch alleine gestellt und nicht überall auf der Tour herrscht Netzabdeckung.

Wanderung nach Aktse und auf den Skierffe mit Zelt
Wanderung nach Aktse und auf den Skierffe mit Zelt

Zelt, Schlafsack und Co.

Wir haben die Tour im späten September gemacht. Der Bootsverkehr über den Laitaure See war schon eingestellt und die Fjällstation Aktse hat sich auf ihren Winterschlaf vorbereitet. Kein Wunder: obwohl tagsüber auch mal die Sonne herauskam, hat es sich nachts bis auf empfindliche -2°C heruntergekühlt. Jeden Morgen trugen die umliegenden Gipfel einen immer größeren Puderzuckerhut und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die ganze Landschaft endgültig in eine weiße Winterwunderwelt verwandelt. Dennoch sind uns noch ein paar hartgesottene Schweden mit schwerem Gepäck entgegengekommen. Auch sie wollten die letzten schönen Tage im herbstlichen Lappland genießen. Auffällig dabei war ihre durchweg gute Campingausrüstung. Aus vielen Büschen ragten die bekannten roten und schwarzen Tunnelzelte heraus. Immerhin ist eines der beliebtesten Hilleberg-Zelte nach einem der Berge der Region benannt worden: Nammatj!

Die Schweden werden schon wissen warum: Wind und Sturm sind in den offenen Fjellregionen der größte Feind beim Zelten. Um nicht irgendwann seinem Zelt in der Nacht hinterherlaufen oder die Tour abbrechen zu müssen, weil das Gestänge komplett verbogen ist, empfehlen wir euch ein solides, sturmfestes 3-4-Jahreszeiten-Zelt. Wir haben uns nach Schottland das aerodynamische Exped – Orion lll Extreme* gegönnt und waren damit absolut zufrieden! Die Apsiden geben ausreichend Platz, um windgeschützt kochen zu können und selbst bei Windstärke 9 im exponierten Gelände hat das Orion seine Form behalten und uns eine leise, erholsame Nacht (so lange wir das Zelt nicht verlassen mussten ;)) beschert. Außerdem hatten wir unseren Daunenschlafsack mit einer Komforttemperatur bis -5°C (der Valandre – Bloody Mary* ist so kuschelig, dass man ihn gar nicht nicht mehr verlassen möchte) und Isomatten mit Primaloft-Füllung dabei (mit der Exped – Synmat 9* wird es auch bei Minusgraden nicht mehr kalt von unten).

Bevor ihr zum Wildcampen loszieht, solltet ihr unbedingt den Wetterbericht studieren und euren Schlafplatz passend zur Prognose auswählen. Sturmleinen und ein windgeschützter Zeltplatz machen im exponierten Gelände immer Sinn. Bei Gewitter -oder Sturmgefahr bleibt ihr am besten zu Hause oder sucht Unterschlupf in der Fjällstation Aktse. Hier gibt es einen kleinen Shop, Wasser, Toiletten und eine beheizte Campingküche. Tipps, wie ihr der Kälte im Zelt trotzt, findet ihr hier auf unserem Blog!

Wildes Zelten am Laitaure See in Lappland, Schweden
Der vielleicht schönste Zeltplatz auf der Trekkingtour? Wildcamping am Laitaure See

Bären, Wölfe, Elche – eine Gefahr?

Zelten in Lappland? Da gibt es doch Bären und Wölfe? Wenn man die unspektakuläre Tierwelt Deutschlands gewohnt ist, kann einen der Gedanke an riesige Braunbären, herumstreunende Wolfsrudel und Elche in der Brunft schon mal etwas nervös machen. Doch keine Sorge: Lappland bietet sehr viel Platz – genügend Platz für die scheuen Tiere, um sich zurückzuziehen und lärmenden Wanderern aus dem Weg zu gehen. Vielleicht beruhigt euch ja die Tatsache, dass es in den letzten 100 Jahren nur zwei tödliche Unfälle mit Bären gab? Der Hüttenwirt von der Fjällstation Aktse hat uns berichtet, dass er zwar im Umkreis von 100 Metern rund um die Hütte regelmäßig Bärenkot findet, den Verursacher dazu allerdings noch nie gesehen hat.

Begegnungen mit Elchen, Wölfen oder dem Vielfraß sind ebenfalls kein Problem, sofern man ihnen, wie immer im Umgang mit Wildtieren, den nötigen Respekt und Abstand zollt. Verhaltet euch ruhig, lasst den Tieren viel Raum zum Passieren und zieht euch, wenn nötig, bedächtig zurück. Hunde stellen für andere Tiere ein enormes Stresspotential dar. Um Unfälle zu vermeiden und die Wildtiere zu schützen, sollten sie deshalb immer in der Nähe der Besitzer bleiben. Also, macht euch keine Sorgen: in den weiten Landschaften Schwedens bedarf es schon sehr viel Glück, auf einen Bären, Vielfraß oder Elch zu treffen!

Elchschädel
Elchschädel am Ufer des Laitaure See

Die wichtigsten Informationen zum Trekking mit Zelt nach Aktse und auf den Skierffe

Anreise und Parken

Schon die Anfahrt auf der einsamen Straße zwischen Jokkmokk und Kvikkjokk lässt die Herzen von Naturliebhabern höher schlagen. An unserem Autofenster wechselt sich der rauschende Rapaälv mit kleinen Seen und tiefen Wäldern ab, hin und wieder grasen Rentiere am Straßenrand. Auf ungefähr der Hälfte des Weges liegt Tjåmotis, ein unscheinbares Dorf mit wenigen Häusern. Hier zweigt eine schmale Asphaltstraße mit Schlaglöchern rechts ab zum Tjaktjajaure Kraftwerk. Die Straße wird zunehmend schmaler und ab dem Stausee Tjaktjajaure verläuft sie nur noch geschottert bis zum Parkplatz an der Sitoälvsbron.

Schon am Ufer des himmelblauen Stausees bekommen wir einen ersten Eindruck, was uns auf der Wanderung zum Skierffe erwarten wird: hinter dem spiegelglatten Tjaktjajaure erheben sich die schneebedeckten 2000er Gipfel des Sarek und Padjelanta Nationalparks. Davor liegen die gelben und roten Laubwälder, die Lappland so einzigartig machen. Die Anfahrt ist für normale PKWs kein Problem. Am kostenlosen Parkplatz gibt es eine einfache Toilette und bei später Ankunft kann man hier auch eine Nacht campen. Trotz der Nebensaison war der Parkplatz zum Wochenende überraschend voll. Der Weg wird von den wanderbegeisterten Schweden gerne benutzt, um schnell und ohne viel Aufwand in die Berge zu gelangen. In der Hauptsaison kann es also ratsam sein, den Parkplatz nicht allzu spät anzusteuern.

Straße zum Tjaktjajaure Stausee in Schweden
Straße zum Tjaktjajaure Stausee in Schweden

Zelten/Übernachten an der Fjällstation Aktse

Die Fjällstation Aktse gilt als eine der schönsten Übernachtungsmöglichkeiten am Kungsleden. Der Komplex aus gepflegten roten Hütten liegt nur einen Steinwurf vom Laitaure See entfernt. Über der Fjällstation schwebt die majestätische Steilwand des Skierffe und steht in starkem Kontrast zu den bunten Blumen, die die kleinen Zeltplätze umgeben. Hier können Wanderer ihren Proviant im Shop auffüllen, Trinkwasser zapfen und die Toilette nutzen.

Übernachtungsgästen stehen 4 Räume mit insgesamt 26-50 Betten und Annehmlichkeiten wie eine Sauna und eine Dusche zur Verfügung. In der Hauptsaison (und in Zeiten der Corona Pandemie) sollten die Hüttenplätze in der Fjällstation Aktse unbedingt vorher reserviert werden.

Wer rund um die Fjällstation Aktse sein Zelt aufbaut, bezahlt zwar stolze 300 SEK/Person (circa 30 €/Person) an die Swedish Tourist Association (kurz STF), kommt dafür aber auch in den Genuss einer beheizten Campingküche, eines kleinen Shops, einer Dusche und sogar einer Sauna. Das ist am Rande des Sareks Nationalparks wohl der größte Luxus, den man sich gönnen kann. Der Hüttenwirt zeigt, wo genau man sein Zelt aufbauen darf und gibt Tipps für Wanderungen in die Umgebung. Bitte achtet darauf, nicht auf dem Helikopterlandeplatz oder in der Nähe des Sami Nachbargrundstücks zu zelten.

Zelten an der STF Aktse in Schweden
Zelten an der STF Fjällstation Aktse

Wildcampingplätze auf der Wanderung zum Skierffe

Wem die 300 SEK/Person zu viel sind, findet einige Wildcampingplätze 500 Meter oberhalb der Fjällstation Aktse (Schilder weisen daraufhin, ab welchem Punkt das Wildcampen wieder erlaubt ist). An stürmischen Tagen macht es Sinn, das Zelt nicht allzu weit oben im Wald aufzubauen. Leider hat man von hier keinen Ausblick auf die umliegende atemberaubende Landschaft. Bei ruhigem Wetter gibt es weiter oben auf dem Fjell ein paar wirklich schöne Zeltplätze, die fantastische Ausblicke auf den Laitaure See und bis ins Delta bieten. Der Gipfel des Skierffe ist sehr felsig und meistens weht hier ein rauer Wind, der das Zelten nicht gerade zu einem idyllischen Erlebnis macht. Etwas unterhalb des Gipfels ähnelt die Landschaft einer grauen Steinwüste mit einigen Schneefeldern. Kann man machen – schöner ist dennoch das Fjell weiter unten… Das wissen auch die Rentiere!

Wie oben schon erwähnt, kann man am Parkplatz der Sitoälvsbron campen oder man macht es wie wir und wandert auf dem 10 km langen Quadweg zum Bootsanlegesteg Cykelstigen am Laitaure See. Hier gibt es eine Toilette, einen Müll, einen kleinen Windschutz und ein paar schöne Zeltplätze direkt am Seeufer. Da wir diesen Ort in der Nebensaison ganz für uns alleine hatten, war er tatsächlich unser Lieblings-Wildcampingplatz in Lappland! Der Sonnenuntergang über den schneebedeckten Gipfeln des Sarek Nationalparks ist einfach ein unglaubliches Schauspiel!

Kochen beim Trekking im Sarek Nationalpark
Wildcamping auf der Wanderung nach Aktse und auf den Skierffe

Die besten Monate zum Wandern

Von Juli bis Oktober ist der Gipfel des Skierffe meistens schneefrei. Mit Altschneefeldern (und etwas Puderzucker) muss allerdings das ganze Jahr über gerechnet werden. Die Fjällstation Aktse hat von Mitte Juni bis Ende September geöffnet (in 2021: 24.6-19.9). Juli und August gelten als die besten Monate, um auf dem Kungsleden zu wandern. Da der Gipfel des Skierffe ein beliebtes Tagesziel am Rande des Fernwanderwegs ist und Aktse direkt auf dem Kungsleden liegt, ist die Wanderung zu dieser Zeit sehr frequentiert.

Anders sieht es im Herbst aus. Mitte September muss man zwar schon wieder mit Neuschnee rechnen und das Wetter ist nicht mehr ganz so beständig, dafür hat man den Indian Summer des Lapplands fast für sich alleine. Besonders für Fotografen ist die tief stehende Sonne in Kombination mit den goldenen Herbsttönen ein Traum! Mit etwas Glück tanzen dann nachts auch schon die Nordlichter über eurem Zelt! Für uns ist der September deshalb der perfekte Monat für Naturliebhaber und erfahrene Wanderer!

Wanderung auf den Gipfel des Skierffe
Auf dem Gipfel des Skierffe findet man sogar im Sommer Schneefelder

Wasser & Proviant auf der Wanderung

Außer in dem kleinen Shop an der Fjällstation Aktse gibt es keine Möglichkeit, während der Wanderung an Proviant zu gelangen. Aus dem Grund empfehlen wir euch, genügend Essen mitzubringen (mindestens einen Zusatztag einplanen, um Wetterkapriolen aussitzen zu können). An der Fjällstation könnt ihr zudem euer Trinkwasser wieder auffüllen. Ansonsten könnt ihr Wasser im riesigen Laitaure See schöpfen. Obwohl viele Seen in Schweden Trinkwasserqualität besitzen, haben wir es vorsorglich durch unseren Katadyn Filter* laufen gelassen!

Unser Proviant für 3 Tage:
2x Uncle Bens Reispfanne „Mexiko“ mit 1x Feta und 1 Glas Oliven
4 Portionen Spaghetti mit 1 Glas Pesto
6x Müsliriegel
2x Bananen
2x Thunfischsalat
6x Griechischer Joghurt mit 6 Portionen Müsli und 6x Nektarinen
1x Rolle Marabou Schokolade
6x Chai Teebeutel

Katadyn Wasserfilter beim Trekking in Lappland
Katadyn Wasserfilter beim Trekking in Lappland (hier: Laitaure See)

Reiseführer zur Wanderung und der Region

Einen tollen fotografischen Einblick in die Wanderregion rund um den Kungsleden und eine Beschreibung der Wanderung von Aktse auf den Skierffe bietet das eBook „Kungsleden North“ von Cody Duncan. Seine Bücher haben uns schon in Norwegen wunderschöne Naturerlebnisse beschert. Für alle, die irgendwann etwas länger auf dem Kungsleden wandern wollen, sind die 15 € auf jeden Fall gut investiert! Neben grandiosen Landschaftsaufnahmen gibt Cody Tipps für gute Zeltplätze am Kungsleden!

Der Wanderführer „Lappland“ vom Rother Verlag* beschreibt nicht nur Touren in Schwedisch-Lappland. Mit ihm könnt ihr auch die schönsten Wanderungen im nördlichen Norwegen oder Finnland entdecken. Ein toller Wanderführer, der auch einige Ein -und Mehrtagestouren z.B. im Muddus Nationalpark, im Abisko Nationalpark und rund um Kvikkjokk vorstellt! Im Gegensatz zu dem „Outdoor Wanderführer“ über Mittelschweden*, der uns nicht gerade überzeugt hat, haben wir ihn sehr häufig gebraucht und ich bin mir sicher, dass wir ihn auch auf zukünftigen Reisen benutzen werden. So stellt er auch ein paar der Wanderungen vor, die wir auf unserem Trip in den Norden Norwegens schon ausprobiert haben und definitiv weiterempfehlen würden (z.B. die Wanderung zum Alta Canyon).

Unsere Route der Trekkingtour nach Aktse und auf den Skierffe inklusive .gpx Daten

Unsere Route zusammen mit den .gpx Dateien für euer GPS Gerät findet ihr wie immer auf Outdooractive.

Tipps und Varianten, um nach Aktse zu gelangen

Vor -und Nachteile unserer Route nach Aktse

Um zum Skierffe zu gelangen, gibt es ein paar alternative Routen. Die von uns vorgestellte Variante ist der kürzeste und unkomplizierteste Weg, wenn man zu Fuß gehen möchte. Leider ist die insgesamt 16 km lange Strecke vom Parkplatz an der Sitoälvsbron bis nach Aktse auch die eintönigste Möglichkeit. Auf dem 10 km langen Quadweg wandert man ohne großartige Ausblicke durch einen Wald bis zum Bootsanleger Cykelstigen. Ab hier geht es dann größtenteils auf Holzstegen 6 km durch ein unspektakuläres Sumpfgebiet. Die bunten Herbstfarben haben die Landschaft allerdings so schön eingefärbt, dass die wenigen Ausblick auf den Laitaure See und die Gletscher des Sarek Nationalparks uns für die sonst recht langweilige Route entschädigt haben.

Blick auf Skierffe und Nammatji von Cykelstigen
Blick auf Skierffe und Nammatji von Cykelstigen

Mit Quad, Mountainbike und Boot geht es auch…

Wer die Strecke etwas komfortabler hinter sich bringen will, macht es einfach wie die Einheimischen: mit einem Mountainbike ist der 10 km lange Quadweg schnell bewältigt. Das Fahrrad kann dann in der Nähe vom Bootsanlegesteg Cykelstigen abgestellt und an einem Baum angeschlossen werden. Wer in der Hauptsaison reist, kann es sogar noch einfacher haben: unter der 070-222 82 50 (oder 070-673 55 13) kann man bei Anne-Sophie Länta einen Transport mit dem Quad buchen (nur, wenn es die Zeit erlaubt). Auf einem Anhänger geht es dann über Stock und Stein zum Bootsanleger.

Von dem kann man sich im Sommer dann mit der Familie Länta per Boot sogar direkt nach Aktse bringen lassen, so dass dann gar keine eigenen Kraftanstrengungen mehr nötig sind! Die Informationen dazu findet man an dem Boostanlegesteg Cykelstigen (hier gibt es auch ein Walkie Talkie) oder auf der Webseite von Familie Länta. Ganz ehrlich: dank meiner Achillessehnenentzündung hätten wir zumindest den Rückweg nur allzu gerne mit dem Transport abgekürzt, aber leider operiert der Transfer nur bis zum 30.08. (zumindest 2020).

Bootsanleger Cykelstigen in Schwedisch-Lappland
Bootsanleger Cykelstigen in Schwedisch-Lappland

Von Kvikkjokk auf dem Kungsleden

Eine längere, dafür aber landschaftlich reizvollere Variante ist die Wanderung von Kvikkjokk nach Aktse. Kvikkjokk liegt am Ende der Straße zwischen Jokkmokk und Kvikkjokk (von der wir ab Tjåmotis zum Kraftwerk Tjaktjajaure abgebogen sind) und ist ein beliebtes Reiseziel von Lappland-Reisenden. Von der STF-Hütte in Kvikkjokk startet die 15,2 km lange erste Etappe an Stromschnellen entlang und durch dichten Nadelwald nach Pårte zum Sjabatjakjaure See. Nach einer Nacht in der STF Parte Mountain Cabin oder im Zelt, führt uns die zweite 22,6 km lange Etappe von Parte durch das Rittak Tal und über die Hochebene am Tjakellj nach Aktse. Am nächsten Tag kann dann der Skierffe wie in unserer Tourenbeschreibung erklommen werden.

Liebend gerne hätten wir diese etwas herausforderndere, intensivere Variante ausprobiert, allerdings hat sie einen gravierenden Haken: kurz vor Aktse muss nämlich der 4 km breite Laitaure See überquert werden. Dazu gibt es einen Bootstransfer, der von den Läntas oder dem Hüttenwirt von Aktse durchgeführt wird. Um ihn zu den entsprechenden Fahrzeiten zu nutzen, schwenkt man entweder die Fahne am Bootsanlegesteg oder ruft die angegebene Telefonnummer an. Dieser Bootstransfer operiert allerdings nur bis Mitte September (2020: 09/20) und auch nur bei ruhigem Wetter. Während unserer Mehrtagestour hatten wir zwar Sonnenschein, aber einen starken Wind mit Böen um die 80 km/h – 100km/h, der eine Überfahrt mit dem Boot unmöglich gemacht hätte. In dem Fall hätten wir entweder auf besseres Wetter warten oder umkehren müssen.

Zusätzlich existieren drei Ruderboote am Laitaure See, die kostenlos genutzt werden können. Bitte beachtet, dass sich immer mindestens ein Ruderboot aus Sicherheitsgründen an jedem Ufer befinden muss. Das bedeutet, dass ihr unter Umständen nur ein Ruderboot an eurem Ufer vorfindet. Mit dem müsst ihr dann die 4 km lange Strecke überwinden, das andere Ruderboot anhängen, 4 km zurückpaddeln, das mitgeführte Ruderboot an dem entsprechenden Ufer ablegen und nochmals 4 km bis nach Aktse paddeln. Das macht 12 km Paddelstrecke insgesamt, die für Anfänger beim Kajakfahren schon locker als Ganztagestour durchgeht! Bei starkem Wind solltet ihr aber auf gar keinen Fall auf die Idee kommen, mit dem Ruderboot nach Aktse überzusetzen! Die Wellenbildung und Strömung ist auf dem breiten See enorm und absolut lebensgefährlich!

Da uns die Route von Kvikkjokk nach Aktse aufgrund der Überquerung des Laitaure Sees (er kann übrigens nicht einfach zu Fuß umrundet werden) im späten September zu riskant erschien und wir unbedingt den Gipfel des Skierffe erreichen wollten, haben wir uns für die einfachere, wenn auch landschaftlich weniger reizvolle Wanderung von der Sitoälvsbron nach Aktse entschieden!

Unser Wanderbericht zur Wanderung mit Zelt nach Aktse und auf den Skierffe

Die Anreise nach Lappland

Seit knapp 400 km sind wir in Lappland. Erinnerte die Landschaft zuvor noch ein wenig an Deutschland, so bekommen wir jetzt immer mehr das Gefühl uns mitten in Kanada zu befinden. Schon seit Stunden geht es auf der E45 durch dichten Laubwald, der hier oben schon in den warmen Farben des Herbstes leuchtet. Hin und wieder erhalten unsere Augen eine kleine Abwechslung, wenn wir einen Blick auf einen der hellblauen Seen erhaschen können oder Rentiere die Straße queren. Häuser haben wir schon lange nicht mehr gesehen und wir beginnen zu verstehen, was den Reiz dieser Landschaft ausmacht: die Weite und die Einsamkeit sind für europäische Verhältnisse einzigartig.

In Jokkmokk wird es dann städtischer: die Stadt an der Grenze des Polarkreises glänzt nicht gerade mit überragender Architektur. Eher erinnern uns die Gebäude an die typischen Wohnhäuser der Sowjetunion. Quadratisch, praktisch, grau: das meiste Treiben spielt sich an der Tankstelle, in den Imbissen oder vor dem Coop und ICA ab. Kaum zu glauben, dass der berühmte Wintermarkt hier jede Saison bis zu 40.000 Besucher in die Kleinstadt des Nordens lockt!

Roadtrip mit Zelt durch Schwedisch-Lappland
Roadtrip mit Zelt durch Schwedisch-Lappland

Die Anfahrt zum Ausgangspunkt unserer Wanderung nach Aktse

Für uns geht es aber direkt weiter Richtung Kvikkjokk. Wir wollen das schöne Wetter nutzen und werden Jokkmokk später einen ausgiebigeren Besuch abstatten. Schließlich soll ja schon die Landstraße zwischen Jokkmokk und Kvkkjokk eine Sehenswürdigkeit für sich sein. Reissende Flüsse, malerische Seen, kleine Sandstrände und natürlich viel bunter Wald ziehen an unserem Autofenster vorbei.

Auf ungefähr der Hälfte der Straße, die in Kvikkjokk endet, liegt der unscheinbare Ort Tjåmotis. Hier biegen wir auf die enge Straße Richtung Wasserkraftwerk Tjaktjajaure ab. Kleiner Fakt am Rande: in Schwedisch-Lappland trifft man übrigens auf überraschend viele Stauseen und Wasserkraftwerke. Wenn man bedenkt, dass Schweden circa 45% seiner Energie aus Wasserkraft bezieht, dann wundert das nicht. Bis 2040 will Schweden seinen Strom übrigens nur noch aus regenerativen Energien beziehen und setzt dabei in Zukunft vor allem auf den Ausbau der Windenergie. Sehr ruppig geht es dann über unzählige Schlaglöcher und aufgebrochenem Teer immer geradeaus Richtung Tjaktjajaure Stausee. Am Stausee wird die Straße zu einer Schotterstraße, die aber sehr gut zu befahren ist. Weitere 15 min später und wir erreichen den Parkplatz an der Sitoälvsbron.

Was man nicht so alles braucht für 3 Tage Trekking mit Zelt…

Wow, wir hätten mitten in der Woche und außerhalb der Wandersaison  gar nicht mit so vielen Autos gerechnet. Im Nieselregen packen wir unsere Rucksäcke, doch die Sonne setzt sich schon jetzt immer mehr durch. Wie der Wetterbericht vorausgesagt hat, werden wir sicher trockenen Fußes unser erstes Ziel, den Bootsanlegesteg Cykelstigen, erreichen. Es dauert recht lange, bis wir alles zusammen haben, was wir für die nächsten 3-5 Tage benötigen. Das zu dieser Jahreszeit extrem wechselhafte Wetter und die Tatsache, dass wir nicht genau wissen, wie lange wir ausharren müssen, um den Gipfel des Skierffe besteigen zu können, machen eine Planung recht schwierig.

Unsere erste Etappe zum Bootsanleger Cykelstigen

Über den Parkplatz geht es zur abgesperrten Sitoälvsbron. Ab hier kommt man nur zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem offiziellen Quadtransfer von Familie Länta (s.o.) weiter. Auf dem breiten und fast flach verlaufenden Quadweg werden wir nun 10 km immer geradeaus wandern. Es ist schon 15:00 und wir hoffen, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit um 18:30 noch den Bootsanlegesteg Cykelstigen erreichen.

Bis auf zwei weitere Wanderer kommt uns keiner mehr entgegen und wir haben das Gefühl, dass wir ab jetzt komplett auf uns alleine gestellt sind. Mittlerweile hat sich die Sonne durchgesetzt und lässt die gelben und roten Blätter des Waldes leuchten. Neben uns hören wir die Stromschnellen, die den Tjaktjajaure See mit dem Laitaure See verbinden, ein Blick wird uns durch den dichten Wald jedoch leider verwehrt. Als wir irgendwann den Bootsanlegesteg erreichen, sind wir trotzdem erleichtert: die 10 km haben sich aufgrund des schweren Rucksacks und dem eintönigen Weg doch ziemlich in die Länge gezogen.

Wildcamping am Cykelstigen

500 Meter vor dem Bootsanlegesteg biegt übrigens ein kleiner Trampelpfad nach links ab – hier versteckt sich eine Toilette. Ein kleines Schild am Wegrand macht darauf aufmerksam. Zwischen der Toilette und dem Bootsanlegesteg entdecken wir außerdem einen kleinen Windschutz, um den herum es mehrere Möglichkeiten gibt, sein Zelt aufzubauen. Wir entscheiden uns für den vielleicht schönsten Wildcampingplatz unserer Schwedenreise: auf einer kleinen Landzunge, die in den Laitaure See hineinragt, gibt es zwei Zeltplätze, eine kleine Bank und eine Feuerstelle.

Während wir unser Zelt aufbauen, geht die Sonne langsam über den Gipfeln des Sarek Nationalparks unter und färbt den gegenüberliegenden Tjahkelij in Rot- und Blautöne. Sogar unser morgiges Ziel, die dominante Steilwand vom Skierffe ist von hier aus zu sehen. Im Schutz der Apsiden unseres Zeltes kochen wir unser mexikanisches Reisgericht. Jetzt, wo die Sonne untergeht, pfeift der kalte Wind so gnadenlos über die kleine Landzunge, dass ein Lagerfeuer unmöglich wird. Bei knapp 0°C kuscheln wir uns schließlich zum Essen in unsere Schlafsäcke ein. Marabou Schokolade und ein Chai Tee versüßen uns das Warten auf die Nordlichter. So ganz ohne Komfort geht es bei uns eben auch beim Trekking nicht… ;)

Kälte, Milchstraße und Nordlichter!

Als ich mich dann irgendwann aus dem warmen Nest quäle, um meine Zähne zu putzen, ist es deutlich windstiller geworden. Der Himmel ist mittlerweile wolkenfrei und gibt den Blick auf die Milchstraße frei, die direkt über unserem Zelt verläuft. Während sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen, wird langsam aber sicher ein grüner Schleier sichtbar, der am nördlichen Horizont mystisch über den Boden wabert. Es ist ein surrealer Augenblick, wie ich in dieser eiskalten und stillen Nacht mit meinen offenen Wanderschuhen auf der Landzunge im Laitaure See stehe und die schwachen Nordlichter unter der Milchstraße vorbeiziehen sehe. Eine ganze Zeitlang warten wir noch darauf, dass sich die Lichter eventuell intensivieren, aber nachdem die Polarlichtvorhersagen lediglich einen Kp-Index von 2 vorausgesagt haben, geben wir es irgendwann auf.

Dennoch liegen wir danach noch eine ganze Weile wach in unserem Zelt, um diesen unwirklichen Moment zu verarbeiten und in die Stille zu lauschen: keine Vögel, kein Wind, keine raschelnden Blätter. Es überrascht uns jedes Mal aufs Neue, wie wir auf diese absolute Ruhe der Natur reagieren. Wie befremdlich und fast schon unheimlich sie auf unser Gehirn wirkt, das normalerweise ständig mit den Geräuschen der Zivilisation konfrontiert wird.

Zelten im Sarek Nationalpark
Zelten unter den Nordlichtern im Sarek Nationalpark

Die Wanderung nach Aktse

Die warmen Daunenschlafsäcke haben einen erheblichen Nachteil: sie verlangen tatsächlich höchste Motivation, um wieder aus ihnen herauszuschlüpfen. Die Nacht war kalt, so kalt, dass das Wasser in Ufernähe gefroren ist. Mit steifen Muskeln wandern wir schließlich viel später als geplant los. Kurz vor dem Bootsanleger Cykelstigen biegt ein schmaler Pfad rechts um den Laitaure See herum ab. Ab jetzt geht es 6 km lang abwechselnd über Holzstege und auf einem holprigen Wanderweg durch Moor und einen bunten Herbstwald Richtung Aktse. Es ist gut, dass wir gestern am Bootsanleger unser Zelt aufgebaut haben. Die nächsten Zeltmöglichkeiten kommen erst wieder nach knapp 4 km und erfordern ein gutes Auge. Wahrscheinlich wären wir in der Dämmerung gnadenlos an ihnen vorbeigelaufen.

An der Fjällstation Aktse

Als wir in Aktse ankommen, sind wir erleichtert unseren schweren Rucksack loszuwerden. Wir halten einen kurzen Plausch mit dem Hüttenwirt der Fjällstation und beschließen, trotz des nicht gerade geringen Preises von 30€/Person, unser Zelt für die Nacht hier aufzubauen. Zu schön sind die grünen, gepflegten Wiesen der STF-Hütte, zu romantisch der tolle Ausblick auf den Laitaure See und zu verlockend die Toilette und das Frischwasser. Sofern uns die Möglichkeit eines offiziellen Campingplatzes (und damit auch der Benutzung einer Toilette) gegeben wird, versuchen wir sie auch zu ergreifen. „Leave no Trace“ ist uns ein wichtiges Anliegen und besonders auf beliebten Wanderwegen wie dem Kungsleden stellen menschliche Hinterlassenschaften ein ernstzunehmendes Problem dar. Die Bewirtung der Hütten-Infrastruktur in abgelegenen Gebieten verschlingt zudem einen Haufen Geld, wird aber früher oder später von jedem Fernwanderer zur Auffrischung des Proviants oder aus Sicherheitsgründen benötigt.

Die Wanderung von Aktse auf den Skierffe

Der Aufstieg aufs Fjell

Nachdem uns der Hüttenwirt eindringlich empfohlen hat, die Besteigung des Skierffe noch heute zu wagen, weil morgen mit starkem Wind und sogar Sturmböen zu rechnen ist, beschließen wir, unseren Plan zu ändern und sofort zu starten. Da es schon 14:00 ist, werden wir wohl nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein. Mit unseren Stirnlampen und leichtem Gepäck beginnen wir mit dem ersten steilen Aufstieg von Aktse auf das Fjell.

Ein paar Wanderer haben ihre Zelte in dem dichten Wald am Wegrand aufgebaut. Im Umkreis von 500 Metern um die Fjällstation Aktse ist das kostenlose Zelten nämlich verboten und Schilder kennzeichnen den Punkt, ab dem das Jedermannsrecht wieder gilt. Diese Zeltplätze sind zwar windgeschützt, aber auch alles andere als schön. Kühl, nass und ohne den Hauch eines Ausblicks laden sie nicht gerade zum Zelten ein. Bei gutem Wetter sind die Zeltplätze auf dem Fjell empfehlenswerter. Hier gibt es viele flache, breite Plätze und einen überragenden Ausblick auf das Rapadelta und den Laitaure See.

Aussicht über das atemberaubende Rapadelta

Am Fjell angekommen, kennzeichnet ein Schild den Kungsleden. Hier biegen wir allerdings links Richtung Skierffe ab. Nach einer Zeit verläuft sich unser schmaler Wanderweg im Sumpf. Schwarzer, dicker Morast gestaltet das Weiterkommen trockenen Fußes mehr als schwer. Von Stein zu Stein bezwingen wir das matschige Gelände, bis wir schließlich an unserer zweiten Wegmarkierung ankommen. Ein Felsen, so groß wie ein Haus (das war zumindest die Beschreibung des Hüttenwirts), markiert den vielleicht schönsten Aussichtspunkt auf das Rapadelta mit dem in der Mitte thronenden Tafelberg Nammtj. 180.000 Tonnen Schlamm lagert der Rapaälven jährlich zum Übergang in den Laitaure See an und lässt so eine unwirkliche Landschaft aus türkisfarbenen Verästelungen und hellblauen Lagunen entstehen, die besonders für Elche ein wahres Paradies darstellen. Das Rapadalen gehört wahrscheinlich zu den eindrucksvollsten Tälern in ganz Lappland.

Die Wanderung auf den Gipfel

Auf dem trockenen Fjell halten wir uns ab jetzt immer weiter geradeaus Richtung Skierffe, in dessen prägnanter Steilwand nun auch ein Wasserfall zu erkennen ist. Während die letzten Sonnenstrahlen des Tages hinter den Gipfeln des Sarek Nationalparks verschwinden, passieren wir eine Rentierherde, die uns aus sicherer Entfernung beobachtet. Der Übergang zum Sarek Nationalpark wird dadurch gekennzeichnet, dass das Gelände deutlich felsiger wird. Graue Steinwüste trifft auf weiße Schneefelder…

Innerhalb von Minuten kühlt es sich merklich ab und ich beeile mich, rasch meine Handschuhe aus dem Rucksack zu holen. Wir hätten früher aufbrechen sollen! Was bringt uns der Gipfel, wenn wir das Rapadelta in der Dunkelheit nicht mehr sehen können? Wie schwierig wird es, das sumpfige Gelände im Dunkeln zu durchqueren? Wird die Wegfindung ein Problem? Als wir am Gipfel ankommen, können wir den Ausblick nicht mehr genießen: Nebel und Dämmerung haben sich wie ein Schleier über die Landschaft gelegt und schlucken die sonst so bunten Farben des Rapadeltas.

Der Rückweg im Dunkeln

Eilig machen wir uns auf den Rückweg. 15,2 km Bergwanderung + die 6 km von Cykelstigen bis nach Aktse mit schwerem Gepäck zollen allerdings ihren Tribut: unsere Konzentration schwindet merklich und zerrt in der Dunkelheit an unseren Nerven. Zusätzlich wird unser Tempo immer langsamer: zu groß ist die Angst, auf den letzten Metern noch einen Fehler zu riskieren. Außerdem machen sich bei mir starke Schmerzen in der Ferse bemerkbar. Zum Glück können wir uns auf unsere Stirnlampen verlassen und erreichen irgendwann um 20:30 erleichtert die Fjällstation Aktse. Mit wackeligen Beinen machen wir es uns in der Campingküche gemütlich. Ein Ofen! Licht! Ein Gaskocher! Das sind die wahrscheinlich besten Spaghetti, die wir jemals gegessen haben!

Spaziergang zum Laitaure See

Am nächsten Morgen zerrt der Wind tatsächlich stark an unserem Zelt. Über Aktse scheint zwar die Sonne, aber der Skierffe ist von dicken Regenwolken eingehüllt. Oben scheint ein ausgewachsener Sturm zu herrschen, der den Regen sogar bis zur Fjällstation trägt. Wir beschließen, eine weitere Besteigung des Skierffe auf ein anderes Jahr zu verschieben. Meine immer noch starken Schmerzen in der Ferse scheinen die Symptome einer Achillessehnenentzündung zu sein und was bringen uns die erneuten Strapazen, wenn wir dann in einer dicken Regenwolke stehen und nichts von der grandiosen Landschaft erkennen können?

Stattdessen unterhalten wir uns lange mit dem Hüttenwirt und seiner Frau über das Leben in der Region. Sie erzählen uns von Bären auf dem Tafelberg Nammatj, schwärmen von der Landschaft im Winter und erklären uns, wie die Hütten mit Proviant versorgt werden. Bevor wir uns auf den Rückweg machen, beschließen wir, noch kurz zum Bootsanleger am Laitaure See zu spazieren. Der Blick vom Ufer auf den Tafelberg Nammatj, das davorliegende Rapadelta und den wolkenverhangenen Skierffe ist einfach überwältigend. Die starken Wellen auf dem Laitaure See machen eine Überfahrt heute unmöglich und verleihen der Landschaft zusammen mit den wolkenverhangenen Gletschern eine bedrohliche Atmosphäre. Über Aktse hat sich zudem ein enormer Regenbogen gebildet, der den Moment einfach nur perfekt macht.

Der Rückweg zum Parkplatz an der Sitoälvsbron

Auf dem gleichen, unspannenden Wanderweg, den wir schon für den Hinweg genommen haben, wandern wir irgendwann wieder zurück Richtung Parkplatz an der Sitoälvsbron. Leider macht mir meine Achillessehnenentzündung mittlerweile solche Probleme, dass jeder Schritt zur Qual wird. Aus dem Grund beschließen wir, eine zusätzliche Nacht auf unserem liebgewonnen Zeltplatz am Bootsanleger Cykelstigen zu verbringen. Es gibt Bier und Spaghetti mit einer Dose Gulasch, die wir in dem kleinen Supermarkt an der Fjällstation Aktse gekauft haben. Heute Nacht ist von der Stille der ersten Übernachtung nichts mehr zu spüren: der Sturm wird zunehmend stärker und wir müssen uns längere Zeit Gedanken machen, wie wir das Zelt möglichst geschickt zum Wind ausrichten, damit die Zeltwände nicht heruntergedrückt werden. Leider hat der Sturm auch die Wolken aus dem Sarek Nationalpark herübergeblasen, so dass wir heute Nacht gar nicht erst nach Nordlichtern Ausschau halten müssen.

Als wir am nächsten Morgen in den ersten Sonnenstrahlen des Tages das Wasser des Laitaure Sees filtern, fahren ein paar Schweden mit Mountainbikes an uns vorbei. Es ist Freitag und offensichtlich wollen einige Einheimische die letzten Sonnentage des Jahres nutzen, um den Skierffe oder die umliegenden Hochebenen zu erklimmen. Für uns ist es tatsächlich etwas befremdlich plötzlich auf so viele Menschen zu treffen, hatten wir doch die ganze Zeit das Gefühl, fast alleine unterwegs zu sein. Leider sind meine Schmerzen kein Stück besser geworden. Jeder Schritt verursacht ein höllisches Ziehen und Pochen in der Ferse und die kurze Rechnung, wie viele Schritte ich auf 10 km Wegstrecke machen werde, bereiten mir Kopfzerbrechen.

Es hilft alles nix: nach der Einnahme einer Schmerztablette und mit extrem locker geschnürten Wanderschuhen machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Als die Tablette anfängt zu wirken, könnte ich ausrasten vor Freude und als wir dann endlich am Auto ankommen, bin ich fast den Tränen nahe! Sitzheizung, Baguette mit Käse und Adiletten! Keine Wanderungen mit schwerem Gepäck mehr! Jetzt beginnt der Urlaub! Oder werden wir uns etwa doch noch zu einigen Mehrtageswanderungen im Muddus oder Skuleskogen Nationalpark motivieren? Na, dreimal dürft ihr raten… ;)

Unser Fazit: Wanderung mit Zelt nach Aktse und auf den Skierffe

Das Rapadelta gehört nicht nur zu den schönsten Tälern in ganz Lappland, es ist ohne Zweifel auch eine der beeindruckendsten Landschaften, die wir bisher erleben durften! Hellblaue Lagunen und türkisgrüne Verästelungen, die sich durch eine bunte Herbstlandschaft ziehen, ein prägnanter Tafelberg, ein riesiges Netz aus Seen, weiße Gletscher und die beeindruckende Steilwand des Skierffe – im Rapadalen zeigt die Natur, was sie kann. Doch es ist sicher nicht nur die Schönheit, die das Gebiet so einzigartig macht. Die Tatsache, dass das Tal nicht einfach mit dem Auto erreicht werden kann und zumindest im späten Herbst eine 16 km lange Wanderung erfordert, sorgt für eine ungewöhnlich erhabene Atmosphäre der Ruhe und Besonderheit.

Selbst, wenn die etwas längere Variante von Kvikkjokk über den Kungsleden abwechslungsreicher gewesen wäre, wir den Gipfel des Skierffe nur in der Dämmerung erleben durften und ich mit meiner Achillessehnenentzündung zu kämpfen hatte, können wir diese Mehrtageswanderung nur jedem Lappland-Reisenden ans Herz legen! Für uns stand schon bei der Rückkehr vom Skierffe nach Aktse fest, dass wir wiederkommen werden! Irgendwann einmal, vielleicht Anfang September, eventuell über den Kungsleden, aber definitiv mit einem ganzen Tag Zeit für die Etappe von Aktse auf den Gipfel des Skierffe!

>> Ihr habt Lust auf eine weitere Mehrtageswanderung mit Zelt? Wie wäre es mit der Wanderung zur Munkebu Hut auf den Lofoten in Norwegen?


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Comments

  1. Wow, das ist ja eine traumhafte Landschaft! Lappland hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm, komtm aber jetzt sofort auf meine To-go-Liste! Danke für den ausführlichen Bericht.

    1. Author

      Vielen Dank für deinen Kommentar, Sabine!
      Uns hat die Landschaft auch einfach umgehauen! Hinter jedem Berg scheint sich dort ein weiteres Naturjuwel zu verstecken. Nur allzu gerne wären wir einfach wochenlang weitergewandert…

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