Fjordlandpinguin (Fjordland Crested Penguin) am Monro Beach

Die seltenen Fjordlandpinguine von Monro Beach (NZ 26)

In Neuseeland, Ozeanien by Naddl2 Comments

Im Regen und Nebel wachen wir auf. Das nächste Reisetief macht sich so langsam bemerkbar. Nicht schon wieder ein Frühstück während der Regen auf unser Zelt prasselt… Nicht schon wieder das klitschnasse Zelt abbauen und bitte nicht schon wieder im trüben Grau durch eigentlich schöne Landschaften wandern. Mirror Lake? Bei dem Wetter gestrichen. Also gleich weiter zum Monro Beach Walk, auf dem wir hoffentlich die süßen und seltenen Fjordlandpinguine (Fjordland Crested Penguin) zu sehen bekommen.

Fjordlandpinguin (Fjordland Crested Penguin) am Monro Beach

Das Brutverhalten der Fjordlandpinguine

Diese zu der Gattung der Schopfpinguine zählende Art ist nur im südlichen Neuseeland und auf den vorgelagerten Inseln zu finden. Gemeinsam mit den Galapagos- und Gelbaugenpinguinen gehören sie zu den seltensten Pinguinarten der Welt und werden von der IUCN derzeit als gefährdet eingestuft. Die größten Chancen diese beeindruckenden Tiere zu sehen, hat man zwischen August bis November.

Mitte bis Ende Juli beginnt nämlich die Balz und die Paarung der Pinguine. Nachdem das Weibchen im August zwei Eier abgelegt hat, beginnt die Brutzeit, die durchschnittlich 33 Tage dauert. Bis die Küken schlüpfen, bebrüten beide Elternteile die Eier. Anschließend ist das Männchen die ersten 21 Tage für die Sicherheit der Jungen verantwortlich, während das Weibchen tagsüber fischen geht und abends zurückkehrt, um die Kleinen mit Nahrung zu versorgen. Nach dieser Zeit finden sich die Jungen zu Gruppen zusammen, während beide Eltern fischen gehen und abends zum Füttern zu ihrem Nest zurückkehren. Meistens sind die Nester recht weit entfernt vom Meer und geschützt zwischen Gestrüpp und Felsen gebaut, so dass die Tiere einen recht langen und beschwerlichen Weg vor sich haben.

Abstand halten!

Dies ist der beste Zeitpunkt, um die Fjordlandpinguine aus sicherer Entfernung zu beobachten, ohne dabei dem Nest zu nahe zu kommen. Da die Tiere sehr scheu und leicht zu verschrecken sind, sollte ein Mindestabstand von 10 m eingehalten werden. Bitte kein Blitzlicht, keine lauten Geräusche, keine Hunde und keine Kinder, die den Pinguinen nachjagen! Fühlen sich die Tiere verängstigt, kehren sie oft stundenlang nicht mehr zu ihren Nestern zurück, um ihre Jungen zu füttern. Wenn die Küken nach 70 Tagen im November flügge sind, werden sie von ihren Eltern verlassen. Diese kehren ins Meer zurück und fressen sich Reserven für die einmonatige Mauser im März an. Die Wege, die diese interessanten Tiere jetzt zurücklegen, sind bis heute noch nicht erforscht.

Fjordlandpinguin (Fjordland Crested Penguin) am Monro Beach

Monro Beach Walk

Im Starkregen kommen wir am Parkplatz an. Tja, was soll´s? Regenklamotten an und los geht es auf dem 2,4 km langen (40 min) und einfachen Wanderweg durch einen üppigen Küstenwald. In dem satten Grün verstecken sich allerhand bunte Vögel, unter ihnen auch die kleinen, süßen Kolibris. Am Ende des Weges liegt der kleine, schöne Monro Beach nördlich des Knights Point. Hier treffen wir auf ein nettes Paar, dass uns aufgeregt von ihrer Begegnung mit den Fjordlandpinguinen am nördlichen Strandabschnitt berichtet. Wir sollten uns allerdings beeilen, da die Flut zurückkommen und uns den Weg abschneiden könnte.

Hastig springen wir über die Wellen, die mittlerweile schon recht nah auf die Felswände zurollen. Kurz bevor der Strand endet, sehen wir, wie die kleinen, schwarzen Tiere langsam und tapsig die großen Steine zu ihren Nestern hochhüpfen. Wir verstecken uns mit großem Abstand hinter einem Felsen und versuchen ein paar halbwegs akzeptable Shots bei den schlechten Lichtverhältnissen und dem starken Regen hinzubekommen. Witzig, wie sie sich halb springend, halb watschelnd vorwärts bewegen. Immer wieder beobachten sie argwöhnisch und aufmerksam ihre Umgebung. Dabei formen ihre charakteristischen, gelben Augenbrauen einen kritischen Gesichtsausdruck. Hier wird deutlich, wie schwer ihnen der Weg fällt, den sie Tag für Tag zurücklegen müssen. Leider können wir nicht allzu lange bleiben, da uns die hereinkommende Flut etwas unter Druck setzt.

Monro Beach Walk in Neuseeland

Fjordlandpinguine (Fjordland Crested Penguin) am Monro Beach

Fjordlandpinguine (Fjordland Crested Penguin) am Monro Beach

Fjordlandpinguin (Fjordland Crested Penguin) am Monro Beach

Haast Pass Drive

Nach diesem lohnenswerten, kurzen Spaziergang fahren wir auf dem Haast Pass Drive weiter Richtung Wanaka. Dieser Bergpass (max. 564 hm) gilt als eine der schönsten Straßen der Welt. Auf 140 km führt der State Highway 6 von der wilden Westküste an unzähligen riesigen Wasserfällen vorbei, durch üppig grünen Regenwald und blau-weißen Gletschern zu den beiden bekannten Seen Wanaka und Hawea. So gut wie hinter jeder Kurve wartet ein Parkplatz mit der Möglichkeit kurze Shortwalks zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten zu unternehmen. Am besten plant man hierfür mindestens 6 Stunden ein, um wenigstens einen Teil der unglaublich vielfältigen Landschaft zu Fuß zu erkunden. Tja, eingeplant hatten wir das auch, aber angesichts des nassen Wetters verlässt uns die Motivation, alle 10 Minuten aus dem Auto zu steigen, um durch grauen Regenwald zu wandern. Zudem verstecken sich die Gletscher und Wasserfälle leider auch meistens hinter einer dichten Wolkendecke.

Einige Sehenswürdigkeiten wollen wir uns aber auf keinen Fall entgehen lassen. Dazu gehören unter anderem die Blue Pools – eine Reihe von Wasserbecken, die über die Jahrhunderte aus dem Stein gewaschen wurden und am Makarora River liegen. Durch die Sedimente und das klare Gletscherwasser zeigen sie sich meistens in einem unnatürlichen Blauton, der die Besucher in seinen Bann ziehen soll. Meistens – denn bei unserem Besuch kann nicht gerade von einem wunderschönen Blau die Rede sein. Die starken Regenfälle und Erdrutsche der letzten Tage haben sie schmutzig braun eingefärbt. Leicht enttäuscht machen wir uns auf den Rückweg zum Auto. Immerhin sind die beiden Hängebrücken über den idyllischen Makarora River auch schon einen kurzen Besuch wert.

Einen weiteren Stopp legen wir an den 96 m hohen Thunder Creek Falls  und den 23 m hohen Fantail Falls ein, da der Weg gerade mal 200 m beträgt. Weitere lohnenswerte Short Walks sollen der Haast Pass Lookout Track (3,5 km), die Roaring Billy Falls (1 km) und Makarora Bush (1 km) sein. Weitere Informationen zu den einzelnen Sehendwürdigkeiten am Haast Pass Drive findet man auf dieser Seite des DOCs.

Grüner Küstenwald am Haast Pass Drive

Hängebrücke über Makarora River (Blue Pools) in Neuseeland

Blue Pools nach Regen in Neuseeland

Hasst Pass Drive in Neuseeland

Boundary Creek Campsite am Lake Wanaka

Unser Zelt bauen wir heute auf dem wunderschön gelegenen Boundary Creek Campsite am Lake Wanaka auf. Dieser Selbstregistrierungs-Campingplatz vom DOC ist wohl eines unserer Übernachtungshighlights in Neuseeland. Es gibt eine Toilette, fließend Wasser und eine überdachte Feuer- und Picknickstelle. Die Stellplätze sind frei wählbar und in verschiedenen Arealen unterteilt. So kann man als Zeltcamper am naturbelassenen Strand mit viel Treibholz übernachten oder wie wir (wegen dem instabilen Wetter) seinen mobilen Schlafplatz auf der Zeltwiese mit sagenhaftem Blick auf den See aufbauen. Weitere ruhige Camper- und Wohnmobilstellplätze findet man in einem kleinen Waldstück oder direkt auf dem geschotterten Parkplatz. Für sehr große Wohnmobile gibt es ebenfalls einen separaten Platz.

Während wir auf der Wiese im Regen und eisigen Wind unser Zelt aufbauen, hält ein Reisebus neben uns. Eine der Insassinnen steigt im pinken Cashmere Pulli und Ballerinas aus, um uns (in Daunen- und Regenjackenkombi inklusive Wollmützen) zu fotografieren. Äh, hallo? Sind wir hier im Zoo? Als Stefan sie fassungslos anstarrt, fragt sie uns (nun doch etwas peinlich berührt): „Haha… isn´t it cold?“ „Nee, wir haben ja dicke Jacken an…“ *grumpf*

Während die anderen schon längst im Warmen sitzen, sind wir in Neuseeland!

Während sich die anderen Camper schon längst in ihre fahrbaren Untersätze gekuschelt haben (okay, ein wenig neidisch bin ich schon auf die behaglich aussehenden Buch-Schlafanzug-Bett-Kombinationen im warmen Schein der Nachttischlampen), fangen wir an zu kochen. Aber hey, wir können auch gemütlich! Eine unserer goldenen Campingregeln lautet schließlich: je schlechter das Wetter, desto besser die Verpflegung! Und so sitzen wir schließlich Arm in Arm bei Kerzenschein in unsere dicke Decke eingewickelt und genießen Rinderfilet mit Gemüsepfanne und neuseeländischem Rotwein in Massen (nicht Maßen)! Immer dabei der Blick auf den unruhigen, imposanten Lake Wanaka gerichtet.

Lake Wanaka im Regen

Boundary Creek Campsite am Lake Wanaka

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Comments

  1. Wow, wie absolut genial, dass ihr die Fjordlandpinguine tatsächlich auf dem Monro Beach Walk gesehen habt! Einfach mega! Da bin ich direkt ein bisschen neidisch :-) Wir waren damals zur falschen Jahreszeit da. Konnten aber zum Glück auf unserer Cruise im Milford Sound einen kurzen Blick auf die Fjordlandpinguine erhaschen, als sie neben unserem Schiff in den Wellen gedümpelt sind. Da waren wir natürlich völlig begeistert!!! Aber so im Ruhe vom Strand aus gucken ist natürlich toll! Ich glaube, ich muss da irgendwann nochmal wieder hin :-))))

    1. Author

      Hi Kathrin, da hatten wir echt ziemlich Glück. Wir haben sie ja gerade noch auf den letzten matschigen Metern zu ihren Nestern erwischt. Kein Vergleich mit euren tollen Pinguinsichtungen in wunderschöner Landschaft auf den Falklandinseln…

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