Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Neuseeland Tag 16 – Tongaporutu und wie die Erde bebte…

In Neuseeland, Ozeanien by Naddl0 Comments

Direkt nach dem Frühstück fahren wir nach Tongaporutu. Hier soll es, laut NZ Frenzy, einen versteckten Zugang zur Steilküste mit atemberaubenden Blick auf die Klippen und die Brandung geben. Wir parken am Beginn des Whitecliff Walkways, überqueren den Weidezaun und laufen den Landwirtschaftsweg circa 1 km an den Schafswiesen entlang. Irgendwo hier muss der besagte Zugang zur Küste sein… Hier? Oder vor ein paar Metern? Darf man die Weideflächen tatsächlich betreten? Zumindest macht es den Anschein, als wären hier schon ein paar Menschen entlang gelaufen.

MacKenzie´s Bluff Viewpoint

Wir benutzen den Trampelpfad und kommen auf eine kleine Zaunbrücke zu. Kurz danach stehen wir auch schon am Abgrund einer wilden, zerklüfteten Steilküste. Der Blick auf die Nordküste mit den Three Sisters und anderen vorgelagerten Monolithen verschlägt uns die Sprache. Die riesigen Wellen brechen mit voller Kraft an der Küste, werden zurückgeschlagen und treffen auf die neu heranrollende Dünung. So verschmilzt die Brandung zu einer mächtigen Weißwassergischt.

Die Kraft der größten Brecher an den Klippen ist dabei so stark, dass der Boden unter unseren Füßen bebt (wenn wir doch hier schon gewusst hätten, dass das nicht das letzte Mal an diesem Tag sein wird) und die Gischt mit einem lauten Donnern über die knapp 30 Meter hohe Steilwand prescht. Unter uns fischt ein dick eingepackter Angler auf einer vorgelagerten Klippe. Nun wird uns klar, von wem der Trampelpfad in der Schafswiese stammt. Ein genialer Ort für jeden, auf den Wassermassen eine hypnotisierende Wirkung ausüben. Allerdings zeigt er sich nur bei Flut von seiner wirklich reizvollen Seite!

Schafsweide in Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

Awakino Heads

Bis zur Ebbe und damit dem einzigen Zeitpunkt, an dem ein Besuch der Three Sisters möglich ist, bleiben uns noch drei Stunden. Aus dem Grund fahren wir die Küstenstraße wieder zurück, um eine zeitlang den wunderschönen schwarzen Strand von Awakino Heads entlang zu spazieren. Außer einer Reiterin treffen wir keine weiteren Personen. Der Sand hier ist so dunkel, dass er in den ersten Sonnenstrahlen des Tages förmlich glitzert. Da die Flut gerade erst die letzten Spuren menschlicher Anwesenheit davongespült hat, hinterlassen wir die ersten Fußabdrücke im noch feuchten, glatten Sand. Wir waten streckenweise durchs Meer bis ein kleiner Wasserfall von der Küste in den Strand plätschert. Kitschiger kann Natur wohl kaum sein. Bei dem Gedanken, dass wir gestern Abend nicht mehr genügend Zeit für eine Timelapse von dem grandiosen Sonnenuntergang hatten, könnte ich mich in den Allerwertesten beißen.

Awakino Heads in Neuseeland

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Wasserfall am Awakino Beach in Neuseeland

Wasserfall am Awakino Beach in Neuseeland

Reiterin am Awakino Beach in Neuseeland

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Mokau Beach

Der Strand von Mokau ist ebenfalls wunderschön, wenn auch dem von Awakino Heads sehr ähnlich. Eine Besonderheit ist der große Fels, welcher in der Mitte des Strandes thront.

Boulder am Mokau Beach in Neuseeland

Der Strand von Tongaporutu

Wir fahren weiter nach Tongaporutu, da der Strand mittlerweile breit genug sein sollte, um die Three Sisters hautnah erleben zu können. Dort angekommen wechseln wir unsere Sneaker gegen Flip Flops, was gleich erstmal zu einem grandiosen Sturz von mir auf den mit Algen überzogenen Felsplatten führt. Laufen zählt diesen Urlaub wohl nicht gerade zu meinen Stärken… Aber zu meiner Verteidigung: es ist wirklich abartig rutschig und auch barfuß wird es nicht wesentlich besser.

Nach kurzer Zeit stehen wir im Sand und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dies ist wirklich einer der interessantesten Strände, die wir jemals gesehen haben. Direkt vor uns steht ein gewaltiger Felsmonolith mit einem Tunnel und mehreren kleinen Höhlen. Dahinter liegt ein Strand mit orange-gelber Kalksteinküste, schwarzem Sand, kleineren Felsen auf denen zahlreiche Muscheln wachsen und Gezeitenpools. Diese Szenerie wird dabei durch die hohen Wellen dramatisiert, die jetzt bei Ebbe an den vorgelagerten Felsen brechen.

Strand von Tongaporutu in Neuseeland

Tunnel am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Krebs am Strand von Tongaporutu in Neuseeland

Three Sisters und Elephant Rock

Und sei das Ganze nicht schon aufregend genug, türmen sich im Hintergrund die berühmten Three Sisters auf. Tatsächlich bestehen sie aber nur aus zwei Schwestern, da der dritte Felsen nach Namensgebung kollabiert ist. Wir schlängeln uns von Gezeitenpools zu Felsplatten durch, bis wir direkt vor den beiden knapp 25 Meter hohen Felstürmen stehen. Jetzt erscheint auch Elephant Rock in unserem Blickwinkel. Warum der riesige Boulder vor den Whitecliffs diesen Namen trägt, wird schnell klar: Das Meer hat ihn tatsächlich in Form eines Elefanten ausgewaschen (anscheinend ist der Rüssel noch in dieser Nacht bei dem 7.8 Kaikoura Erdbeben zerstört worden: http://www.dailymail.co.uk/news/article-3998824/New-Zealand-s-famous-Elephant-Rock-loses-trunk-7-8-magnitude-earthquake-rocked-country.html).

Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Elephant Rock am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Elephant Rock am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Die Sicht ist so klar, dass im Hintergrund sogar der Mount Taranaki (mal wieder wolkenverhangen) zu sehen ist. Hier zur Abenddämmerung sitzen wäre ein Traum, aber derzeit fällt die nächste Ebbe auf 3:00 nachts, was einen Besuch bzw. schöne Fotos eher unmöglich macht. Und bei dem Gedanken an die Wellen, die vor ein paar Stunden noch über die knapp 30 Meter hohen Klippen gedonnert sind, wird uns klar, warum dieser Strandabschnitt absolut nicht bei Flut zugänglich ist.

Gerne würden wir noch auf die Nordseite des Strandes, um die, von NZ Frenzy beschriebenen, runden Boulder zu finden (sie sollen denen am Moeraki Beach ähnlich sein). Aber wie zum Kuckuck hat der den breiten Fluss überwunden? Scott Cook schreibt von knietiefem Wasser, aber das hier ist definitiv ein reißender Strom, der uns wahrscheinlich sofort ins offene Meer ziehen würde (noch dazu ein verdammt kalter Strom). Vielleicht muss man sich gleich von Anfang an auf der Nordseite des Flusses befinden? Aber wie kommt man dahin? Auf der Weiterfahrt nach New Plymouth lese ich dann das Kleingedruckte: Wir hätten auf dem 3 km höher gelegenen Parkplatz halten und dann von einer Nebenbucht auf den nördlichen Abschnitt von Tongaporutu zulaufen müssen. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil…

Nordstrand von Tongaporutu in Neuseeland

Fluss am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Skaten in New Plymouth

In New Plymouth gehen wir direkt zum Skaten, nachdem wir uns einen Zeltplatz auf dem Belt Road Seaside Holiday Park gesichert haben. Die Stadt hat einen recht guten Park mit einer flachen, aber witzigen Bowl, einem großen Concrete Streetbereich und einer leider komplett vergammelten Miniramp. Dafür liegt er direkt am Meer. Nicht das Schlechteste für eine kleine Abendsession. Danach erledigen wir unseren Großeinkauf im Countdown Supermarkt, der übrigens auch sonntags von 7:00 bis 22:00 geöffnet hat und fahren zurück zum Campingplatz. Was für ein langer und aufregender Tag. Jetzt einfach nur chillen und den Abend genießen…

Topporn im Skatepark von New Plymouth in Neuseeland

Miszou im Skatepark von New Plymouth in Neuseeland

Selfie im Skatepark von New Plymouth in Neuseeland

Die Erde bebt!

Während Stefan duscht, kletter ich schon mal ins Zelt, um die Schlafsäcke miteinander zu verbinden. Die Arbeiten im Hafen scheinen die ganze Nacht zu dauern. Ganz schön laut hier… Und warum lassen sich die Schlafsäcke nicht koppeln? Wieso hab ich keine Lampe mit ins Zelt genommen und warum wackelt der Boden unter meinen Knien? Der Boden wackelt? Es fühlt sich an, als ob das eine Knie nach rechts und das andere nach links bewegt wird. Wellen, die sich vibrationsartig durch meinen Körper schlängeln. Trägt die Reederei im Hafen jetzt den ganzen Berg ab oder was ist das? Das Rütteln wird immer schlimmer. Also das bilde ich mir doch nicht ein… Ich kriege Panik. Ist mein Gleichgewichtssinn von einer Minute auf die andere derart gestört? Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Neuseeland! Vulkan! Erdbeben! Hektisch stürze ich aus dem Zelt.

Tatsächlich! Die Erde bebt auch noch trotz zwei Füßen auf dem Boden. Wie um das ganze Szenario noch zu intensivieren, erhellt in dem Moment ein Blitz den Himmel. Ich muss Stefan aus der Dusche retten!  Einer muss es ja tun! Barfuß und mit meinem Schlafjumpsuit und einem kämpferisch um den Kopf gewickeltem Handtuchturban bewaffnet, mache ich mich todesmutig auf Richtung Waschhaus. Da kommt mir Stefan aber schon lachend entgegen. Ich scheine wohl einen recht witzigen Eindruck zu machen, wie ich hier mit meiner Kampfausrüstung klitschnass im Regen stehe. Mein komplett gechillter Freund beruhigt mich: „Ja, das war ein Erdbeben. Das ganze Waschhaus hat gewackelt, aber das ist halt normal in Neuseeland. Nein Naddl, da musst du dir wirklich keine Sorgen machen.“
Wir werden erst am nächsten Tag erfahren, welche heftigen Auswirkungen dieses Beben auf Neuseeland hatte…

Wie ging es weiter?

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