Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Neuseeland – die wilden schwarzen Strände von Tongaporutu (NZ 16)

In Neuseeland, Ozeanien by NaddlLeave a Comment

Die Westküste oberhalb von New Plymouth ist nicht gerade das typische Ziel des klassischen Rundtrips über die neuseeländische Nordinsel. Der Weg vom Waitomo-Distrikt Richtung Awakino und Tongaporutu ist nicht gerade eine Schnellstraße und bekannte Sehenswürdigkeiten entlang der Route fehlen. So wählen viele Reisende eher den (ohne Zweifel) wunderschönen Forgotten World Highway von Taupo nach New Plymouth. Aus dem Grund verpassen sie jedoch oft die wunderschönen (wenn nicht sogar die schönsten) Strände von Neuseeland.

Die wilden schwarzen Strände von Tongaporutu

Die Strände von Awakino, Mokau und Tongaporutu sind nämlich nicht nur wunderbar einsam, sie besitzen auch eine Besonderheit: Quarzkristalle vulkanischen Ursprungs haben den Sand pechschwarz gefärbt. Nach der Flut glitzern diese schwarzen Sandstrände unberührt im Sonnenlicht und bilden einen faszinierenden Kontrast zur Gischt, dem blauen Himmel und der grün bewachsenen Küstenlinie. Außerdem gibt es hier bei Ebbe seltsam geformte Felsen, Wasserfälle und kleine Höhlen zu erforschen. Ihr wollt mehr erfahren? In unserem Reisebericht erzählen wir euch wo und wie ihr die wilden Strände bei Tongaporutu am besten entdecken könnt.

Elephant Rock am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Anfahrt

Vom Waitomo-Distrikt führt die wunderschöne, aber auch abenteuerliche Te Anga Road zur Westküste. Auf der Strecke zwischen den Waitomo Caves nach Marakopa passiert man dabei zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie die Mangapohue Natural Bridge oder die Marakopa Falls. Hier sollte man genügend Zeit für Fotostopps einplanen! Zwischen Marakopa und Awakino verläuft die Route dann wunderschön an einem der ursprünglichsten und wenig besiedelsten Küstenabschnitte der Nordinsel vorbei. Ein Highlight ist der interessante Waikawau Beach, der nur durch einen schmalen Tunnel erreicht werden kann. Die einsame Küste hat allerdings auch einen Grund: die knapp 60 km lange Schotterstraße verlangt einiges an Geduld! Geteerte Alternativen sind der Highway Nr. 3 entweder von Waitomo nach Awakino oder von New Plymouth nach Tongaporutu.

MacKenzie´s Bluff Viewpoint

Direkt nach dem Frühstück fahren wir nach Tongaporutu, wo es einen versteckten Zugang zur Steilküste mit atemberaubenden Ausblick auf Klippen und Brandung geben soll. Wir parken am Beginn des Whitecliff Walkway´s, überqueren den Weidezaun und laufen den Landwirtschaftsweg circa 1 km an den Schafswiesen entlang. Irgendwo hier muss der besagte Zugang zur Küste nach rechts abbiegen… Hier? Oder doch die Wiese ein paar Meter zuvor? Darf man die Weideflächen tatsächlich betreten? Zumindest scheinen wir nicht die Ersten zu sein, die den Zugang zum MacKenzie´s Bluff Viewpoint suchen.

Wir benutzen einen schmalen Trampelpfad und kommen auf eine kleine Zaunbrücke zu. Kurz danach stehen wir auch schon am Abgrund einer wilden, zerklüfteten Steilküste. Der Blick auf die Nordküste mit den Three Sisters und anderen vorgelagerten Monolithen verschlägt uns die Sprache. Die riesigen Wellen brechen mit voller Kraft an der Küste, werden zurückgeschlagen und treffen auf die neu heranrollende Dünung. So verschmilzt die Brandung zu einer mächtigen brodelnden Weißwassergischt.

Die Kraft der größten Brecher an den Klippen ist dabei so stark, dass der Boden unter unseren Füßen bebt (wenn wir doch hier schon gewusst hätten, dass das nicht das letzte Mal an diesem Tag sein wird). Die Gischt prescht beeindruckend mit einem lauten Donnern über die knapp 30 Meter hohe Steilwand. MacKenzie´s Bluff Viewpoint ist der perfekte Geheimtipp für Menschen, die von der Kraft des Ozeans begeistert sind – doch Achtung: ein Besuch lohnt sich definitiv nur während der Flut! Je höher die Wellen, desto größer der Wow Effekt! Ganz anders verhält es sich mit den deutlich bekannteren Felsmonolithen wie Three Sisters und Elephant Rock am Strand von Tongaporutu. Die werden nämlich bei Flut ordentlich umspült und können aus dem Grund nur bei Ebbe besucht werden!

Schafsweide in Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

MacKenzie´s Bluff Viewpoint on Whitecliff Walkway in Tongaporutu, Neuseeland

Awakino Heads

Bis zur Ebbe und damit dem einzigen Zeitpunkt, an dem ein Besuch der Three Sisters möglich ist, bleiben uns noch drei Stunden. Aus dem Grund fahren wir die Küstenstraße wieder zurück, um eine Zeitlang den wunderschönen schwarzen Strand von Awakino Heads entlang zu spazieren. Außer einer Reiterin treffen wir keine weiteren Personen. Die kleinen Quarzkristalle lassen den Sand in den ersten Sonnenstrahlen des Tages glitzern. Da die Flut gerade erst die letzten Spuren menschlicher Anwesenheit davongespült hat, hinterlassen wir die ersten Fußabdrücke im noch feuchten, glatten Sand. Großes angeschwemmtes Totholz verleiht der Landschaft einen wilden Charakter. Wir waten streckenweise durchs Meer bis ein kleiner Wasserfall von der Küste in den Strand plätschert. Kitschiger kann Natur wohl kaum sein!

Awakino Heads in Neuseeland

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Wasserfall am Awakino Beach in Neuseeland

Wasserfall am Awakino Beach in Neuseeland

Reiterin am Awakino Beach in Neuseeland

Awakino Beach in Neuseeland (Black Sand)

Mokau Beach

Nach dem Besuch des Strandes von Awakino fahren wir weiter nach Mokau. Hier gibt es, ähnlich wie in Awakino Heads, einen weiteren schwarzen Sandstrand. Seine Besonderheit ist jedoch der große Felsen, der in der Mitte des Strandes thront. Besonders schön lassen sich die beiden Strände bei einem ausgedehnten Strandspaziergang erkunden. Mokau liegt knapp 3 km hinter Awakino.

Boulder am Mokau Beach in Neuseeland

Der Strand von Tongaporutu

Mittlerweile hat die Ebbe ihren Höhepunkt erreicht. Wir fahren weiter nach Tongaporutu, da der Strand mittlerweile breit genug sein sollte, um die Three Sisters hautnah erleben zu können. Dort angekommen wechseln wir unsere Sneaker gegen Flip Flops, was gleich erstmal zu einem grandiosen Sturz von mir auf den mit Algen überzogenen Felsplatten führt. Laufen zählt diesen Urlaub wohl nicht gerade zu meinen Stärken… Zu meiner Verteidigung muss ich aber noch anmerken: es ist wirklich unglaublich rutschig und auch barfuß wird es nicht wesentlich besser!

Nach kurzer Zeit stehen wir im Sand und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dies ist wirklich einer der interessantesten Strände, die wir jemals gesehen haben. Direkt vor uns baut sich ein gewaltiger Felsmonolith mit einem Tunnel und mehreren kleinen Höhlen auf. Dahinter breitet sich ein schwarz-glitzernder Sandstrand aus, der in tollem Kontrast zu der orange-gelben Kalksteinküste steht. Vorgelagert sind zahlreiche schroffe Felsen mit teils skurrilen Formen und Muschelresten. Die Ebbe hat unzählige Gezeitenpools entstehen lassen, in denen sich Krebse und andere kleine Meerestiere sammeln. Diese Szenerie wird dabei durch die hohe Brandung dramatisiert, die momentan durch die Wellenbrecher weit draußen gestoppt wird.

Strand von Tongaporutu in Neuseeland

Tunnel am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Krebs am Strand von Tongaporutu in Neuseeland

Three Sisters und Elephant Rock

Als wäre das Ganze nicht schon aufregend genug, türmen sich im Hintergrund die berühmten Three Sisters auf. Tatsächlich bestehen sie aber nur aus zwei Schwestern, da der dritte Felsen nach Namensgebung kollabiert ist. Wir schlängeln uns von Gezeitenpools zu Felsplatten durch, bis wir direkt vor den beiden knapp 25 Meter hohen Felstürmen stehen. Jetzt erscheint auch Elephant Rock in unserem Blickwinkel. Warum der riesige Boulder vor den Whitecliffs diesen Namen trägt, wird schnell klar: Das Meer hat ihn tatsächlich in Form eines Elefanten ausgewaschen. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir vielleicht die letzten Personen sein werden, die diesen Anblick zu sehen bekommen. Tragischerweise wird der Elefant seinen Rüssel noch in dieser Nacht bei dem 7.8 Kaikoura Erdbeben verlieren: http://www.dailymail.co.uk/news/article-3998824/New-Zealand-s-famous-Elephant-Rock-loses-trunk-7-8-magnitude-earthquake-rocked-country.html.

Die Sicht ist so klar, dass im Hintergrund sogar Mount Taranaki (mal wieder wolkenverhangen) zu sehen ist. Hier zur Abenddämmerung sitzen wäre ein Traum, aber derzeit fällt die nächste Ebbe auf 3:00 nachts, was einen Besuch bzw. schöne Fotos eher unmöglich macht. Und bei dem Gedanken an die Wellen, die vor ein paar Stunden noch über die knapp 30 Meter hohen Klippen gedonnert sind, wird uns klar, warum dieser Strandabschnitt absolut nicht bei Flut zugänglich ist.

Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Three Sisters am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Elephant Rock am Strand von Tongaporutu, Neuseeland

Skaten in New Plymouth

In New Plymouth sichern wir uns einen Zeltplatz auf dem Belt Road Seaside Holiday Park, einem großen, sehr komfortablen (und nicht ganz billigen) Campingplatz. Danach gibt es für uns ein klares Ziel: der Skatepark! Die Stadt hat einen recht guten Park mit einer flachen, aber witzigen Bowl, einem großen Concrete Streetbereich und einer leider komplett vergammelten Miniramp. Dafür liegt er direkt am Meer. Nicht das Schlechteste für eine kleine Abendsession. Danach erledigen wir unseren Großeinkauf im Countdown Supermarkt, der übrigens auch sonntags von 7:00 bis 22:00 geöffnet hat und fahren zurück zum Campingplatz. Was für ein langer und aufregender Tag. Jetzt einfach nur chillen und den Abend genießen…

Topporn im Skatepark von New Plymouth in Neuseeland

Miszou im Skatepark von New Plymouth in Neuseeland

Selfie im Skatepark von New Plymouth in Neuseeland

Die Erde bebt!

Während Stefan duscht, klettere ich schon mal ins Zelt, um die Schlafsäcke miteinander zu verbinden. Die Arbeiten im Hafen scheinen die ganze Nacht zu dauern. Ganz schön laut hier… Und warum lassen sich die Schlafsäcke nicht koppeln? Wieso hab ich keine Lampe mit ins Zelt genommen und warum wackelt der Boden unter meinen Knien? Der Boden wackelt? Es fühlt sich an, als ob das eine Knie nach rechts und das andere nach links bewegt wird. Wellen, die durch meinen ganzen Körper vibrieren. Trägt die Reederei im Hafen jetzt den ganzen Berg ab oder was ist das? Das Rütteln wird immer schlimmer. Ich kriege Panik – ist mein Gleichgewichtssinn von einer Minute auf die andere derart gestört? Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Neuseeland! Vulkan! Erdbeben! Hektisch stürze ich aus dem Zelt.

Tatsächlich! Die Erde bebt auch noch trotz zwei Füßen auf dem Boden. Wie um das ganze Szenario noch zu intensivieren, erhellt in dem Moment ein Blitz den Himmel. Ich muss Stefan aus der Dusche retten!  Einer muss es ja tun! Mit meinem Schlafjumpsuit und einem kämpferisch um den Kopf gewickelten Handtuchturban bewaffnet, mache ich mich barfuß aber todesmutig auf Richtung Waschhaus. Da kommt mir Stefan aber schon lachend entgegen. Ich scheine wohl einen recht witzigen Eindruck zu machen, wie ich hier mit meiner Kampfausrüstung klitschnass im Regen stehe. Mein komplett gechillter Freund beruhigt mich: „Ja, das war ein Erdbeben. Das ganze Waschhaus hat gewackelt, aber das ist halt normal in Neuseeland. Nein Naddl, da musst du dir wirklich keine Sorgen machen.“
Wir werden erst am nächsten Tag erfahren, welche heftigen Auswirkungen dieses Beben auf Neuseeland und unseren armen Elephant Rock hatte…

Wie ging es weiter?

 

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