Hokitika Schlucht in Neuseeland

Blauer geht es nicht? Die Hokitika Gorge & Glacierland (NZ 25)

In Neuseeland, Ozeanien by NaddlLeave a Comment

Wie schwer es gestern für uns war, ein Waschhaus am Hans Bay Campsite zu finden, habe ich euch ja schon im letzten Blogpost beschrieben. Tja, was soll ich sagen? Als wir nach dem Frühstück zu den Dorothy Falls fahren wollen, kommen wir direkt an einem topmodernen Sanitärgebäude mit fließend Wasser, Umkleidekabinen für die Seebesucher und sogar Duschen vorbei. Keine Ahnung, wieso wir gestern wie zwei Blindfische über den dunklen Platz geirrt sind. Nichtsdestotrotz: ein kleiner Hinweis am Selbstregistrierungsboard wäre vielleicht nicht ganz unangebracht… 😉

Hans Bay - Lake Kaniere Campsite in Neuseeland

So, jetzt aber zu den Dorothy Falls. Dieser dreistufige 64 m hohe Wasserfall befindet sich circa 3,5 km von der Hans Bay entfernt und ist definitiv einen kurzen Abstecher wert! Von einer kleinen Brücke kann man direkt in den Pool des unteren 10-15 m hohen Abschnitts blicken. Dieser Pool ist im Sommer eine beliebte Badestelle. Laut unserem Lieblings-Neuseelandführer NZFrenzy (ich kann ihn gar nicht oft genug empfehlen!) führt ein kleiner Trampelpfad zum mittleren Teil der Wasserfälle. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Wir müssen uns mit den Rucksäcken zwar ziemlich durchs Dickicht kämpfen und dabei immer wieder den Weg suchen, doch die Mühe lohnt sich: kraftvoll und stark fließt das Wasser in mehrere bunte Felsbecken. Achtung: die Steine sind verdammt rutschig und ein kleiner Sturz kann hier schnell zu einem längeren Flug werden!

 

Die Hokitika Gorge

Wir fahren weiter zur Hokitika Gorge. Sedimente haben den Fluss dieser Schlucht in einen unwirklichen Graublauton gefärbt. Von den oberen Plattformen wirkt das Wasser komplett undurchsichtig und spiegelglatt. Allzu viel kann man hier nicht unternehmen, dennoch ist ein ganz besonderes Stück Natur. Ein kurzer Weg führt über eine lange Schwingbrücke und durch einen kleinen Wald zum Flussufer und einer weiteren Aussichtsplattform. Ein paar Leute springen von der Mitte der Schwingbrücke und natürlich gibt es auch den Einen, der erst nach langem Hadern und nur unter allerhand motivierenden Rufen den Absprung wagt. Okay, ich hätte es gar nicht gemacht!

Hokitika Gorge in Neuseeland

Brückenspringer in der Hokitika Schlucht in Neuseeland

Hokitika Schlucht in Neuseeland

Hokitika Gorge in Neuseeland

Auf nach Glacierland!

Nach dem Besuch der Hokitika Gorge fahren wir weiter Richtung Glacierland. Am Whataroa River halten wir für einen kurzen Fotostopp. Fast so unnatürlich türkis-blau wie die Schlucht in Hokitika fließt das Wasser hier in einem weißen Flussbett. Im Hintergrund glitzert die Spitze unseres nächsten Ziels am Horizont, die südlichen Neuseeländischen Alpen!

Der Whataroa River in Neuseeland

Hier warten heute der Franz-Josef-Gletscher und der Fox-Gletscher auf uns. Beide zeichnen sich dadurch aus, dass sie einmal bis direkt ins Meer kalbten und auch heute noch zu den am niedrigsten gelegenen Gletschern (400 m über Meereshöhe) mittlerer Breite gehören. Dadurch trifft sich in ihren tiefen Tälern eine ungewöhnliche Mischung aus Regenwald und Eis. Zuerst wandern wir den Franz-Josef Glacier Valley Track bis zur Gletscherzunge des gleichnamigen Franz-Josef-Gletschers. Dieser 2,5 km lange Weg führt abwechslungsreich durch grünen Regenwald, das tiefe Gletschertal mit atemberaubend hohen Steilwänden und am eisgrauen Waiho River entlang. Außerdem kommen wir an einem schönen Triple-Wasserfall namens Trident Fall vorbei, vor dem etliche Touristen für ein Selfie posieren. Vom großen Parkplatz bis zum Gletscher wandert man circa 40 Minuten auf dem geschotterten Wanderweg.

Wasserfälle am Franz Josef Gletscher in Neuseeland

Das Tal vom Franz-Josef-Gletscher in Neuseeland

Der Franz-Josef-Gletscher

Der Gletscher ist circa 10 km lang und fließt die steile Westflanke der Neuseeländischen Alpen hinunter. Er mündet in den Waiho River, der bis zur Tasmansee fließt. Die ist auch der Grund, dass warme und feuchte Luft auf dem hohen Massiv stark abkühlt und so zu erheblichen Niederschlägen führt. Und genau dieses Phänomen erleben wir heute hautnah. Es ist grau, grauer, am grausten. Durch Nieselregen und Nebelschwaden wandern wir zum Gletscher, dessen oberer Abschnitt farblich momentan mit dem Himmel verschwimmt. Das oftmals so blau schimmernde Eis erscheint heute ebenfalls nur in verschiedenen Grautönen.

Leider hat man von dem Aussichtspunkt keinen allzu nahen Blick auf das Gletschereis. Im Laufe der Jahre ist er zunehmend geschrumpft, so dass sich vor uns das leere Gletschertal erstreckt. Aus dieser Entfernung wirkt die immer noch riesige Gletscherzunge fast schon klein. Nichtsdestotrotz lohnt sich der recht geringe Aufwand bei diesem schlechten Wetter schon alleine für die kleine Wanderung an sich und bekanntlich ist ja der Weg das Ziel! Eigentlich wollten wir zum Robert´s Point wandern. Ein recht anstrengender 6 km (2,5 h) langer Wanderweg führt zu diesem höher gelegenen Aussichtspunkt, von dem man direkt auf den Gletscher sehen kann. Angesichts des trüben Wetters entscheiden wir uns jedoch dagegen. Heute kann selbst der schönste Aussichtspunkt der Welt nichts mehr an der Szenerie ändern. Bei schönem Wetter könnte dies jedoch eine ernstzunehmende Alternative zu dem touristisch überlaufenden Glacier Valley Track darstellen.

Das Tal vom Franz-Josef-Gletscher in Neuseeland

Der Franz-Josef-Gletscher in Neuseeland

Fox-Gletscher

Nach dem Besuch des Franz-Josef-Gletschers machen wir noch einen Abstecher zum Fox-Gletscher. Dank des grauen Wetters hätten wir uns diesen Walk wahrscheinlich schenken können. Der Fox-Glacier Valley Track ist jedoch nur 1,5 km (17 min) lang und da wir uns heute wohl auch die geplanten Reflexionsaufnahmen am Lake Matheson sparen können, wissen wir nicht wohin mit unserer Zeit… 😉 Ebenso wie der Franz-Josef-Gletscher ist auch der Fox Gletscher in den letzten Jahren massiv zurückgegangen. Er hat sogar soviel an Größe eingebüßt, dass die Wegführung 2013 erweitert wurde und nun zu einer höher gelegenen Aussichtsplattform führt, von der man direkt auf die Gletscherzunge gucken soll. Tja, an sich eine toller Schachzug vom DOC, nur ist seit der letzten Wegänderung 2013 wieder einiges passiert und so ist man mittlerweile auch auf dieser Plattform nicht mehr wirklich nah am Geschehen.

Das Tal vom Fox Gletscher in Neuseeland

Das Tal vom Fox Gletscher in Neuseeland

Der Rückgang der Eisriesen

Abzusehen war die starke Gletscherschmelze allerdings nicht. Bis 1982 ist der Gletscher zwar schon einmal massiv geschrumpft, wuchs dann aber bis 1999 wieder um 1 km. Von da an verlor er jedoch bis heute weiterhin gewaltig an Masse. Es wird damit gerechnet, dass er bis zur Jahrhundertwende weitere 5 km und somit 38% seiner Größe einbüßen wird. Als Grund für diese Schwankungen werden die hohen Geschwindigkeiten der beiden Talgletscher vermutet. Der Fox Gletscher schiebt sich mit einem Meter pro Woche vorwärts und ist deshalb besonders für saisonale Wetterextreme anfällig. Außerdem sind die maritimen Riesen sehr starken Westwinden und Niederschlägen ausgesetzt, die sie schnell wachsen lassen. Ihre Zungen jedoch ziehen sich in den warmen unteren Lagen sehr schnell bei steigenden Temperaturen zurück.

Der Fox-Gletscher in Neuseeland

Panorama vom Fox Gletscher in Neuseeland

Wir fanden beide Gletschertäler sehr interessant, sind dem Eis aber bei Weitem nicht so nahe gekommen wie in unseren benachbarten Schweizer Alpen. Definitiv ist das gesamte Erlebnis stark vom Wetter geprägt. Der Farbkontrast vom blauen Eis mit dem grünen umliegenden Regenwald muss bei Sonnenschein einfach umwerfend sein. Dann macht sicher auch die Tageswanderung zum Robert´s Point Sinn. Die Gletscherzunge des Fox-Gletschers war aus unserer Sicht noch etwas weiter vom Aussichtspunkt entfernt als die des Franz-Josef-Gletschers, aber das kann sich in den nächsten Jahren wieder ändern. Allen, die sich an unseren Grauton-Bildern satt gesehen haben und gerne einmal die Schönwetter-Version erleben würden, legen wir übrigens diesen Beitrag von unserer Bloggerkollegin „Passenger on Earth“ ans Herz!

Wie benutze ich das Klo?

Übernachtung am Fox Glacier Top 10 Holiday Park

Die Top 10 Holiday Parks zeichnen sich meistens durch sehr hohe Preise (bis zu 50 NZD pro Nacht) und einen recht hohen Ausstattungsstandard aus. Eine Gemeinschaftsküche, große Sanitärräume, TV und Wi-Fi sind hier eigentlich selbstverständlich. Leider waren wir in Wellington aber alles andere als begeistert von dem, was uns da für einen fast schon unverschämt hohen Preis geboten wurde. Alte Sanitäranlagen, mittelmäßige Sauberkeit und eine schlecht ausgestattete 80er Jahre Küche, die nicht gerade zum Verweilen einlud. Heute wagen wir uns nochmal auf einen Campingplatz dieser Kette.

Mittlerweile regnet es in Strömen und wir wünschen uns einfach nur eine warme Campingküche, in der wir unser Essen zubereiten und Wein trinken können. Außerdem bietet das Fox Glacier Village außer zahlreichen Helikopterfirmen, Gletscherhike-Organisationen und Hotelanlagen keine wirklich gute Alternative zum Fox Glacier Top 10 Holiday Park. Mit nicht allzu großen Erwartungen bauen wir unser Zelt auf der großen, gepflegten Zeltwiese mit Blick auf Mount Cook /Aoraki auf. Spätestens nach Betreten der Küche sind wir allerdings positiv überrascht. Die Küche ist groß, sehr gut ausgestattet und die Waschräume sind noch recht neu. Hier lässt es sich auch bei einer regnerischen, kalten Nacht aushalten. Kleiner Tipp: abends verscherbeln die Holiday Parks ihre freien Stellplätze und Hütten meist zu sehr günstigen Preisen über die CamperMate App (die eigentlich für jeden Camper in Neuseeland fast schon unverzichtbar ist)!

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