Sonnenuntergang am Wharariki Beach

Rund um das wilde und schroffe Cape Farewell (NZ 23)

In Neuseeland, Ozeanien by NaddlLeave a Comment

Für heute ist ein Tagesausflug vom Abel Tasman Nationalpark zum wilden und windigen Cape Farewell geplant. Hier wartet der bekannte Hill Top Track, der uns entlang der schroffen und stürmischen Steilküste zu einem tollen Aussichtspunkt mit Blick über die bunte Golden Bay und die sandige Landzunge Farewell Spit führen wird. Anschließend werden wir versuchen Robbenbabys an einem der schönsten Strände Neuseelands, dem Wharariki Beach, zu finden. Der Hinweg führt uns außerdem an einer der klarsten Frischwasserquellen der Welt vorbei!

 

Davor gibt es aber das erste Mal seit langem ein Frühstück ohne Daunenjacke – unbezahlbar. In Begleitung von Sandflies – nervtötend. Diese kleinen Biester greifen uns in Scharen an und ernähren sich am liebsten aus unserer Knöchelregion. Zum Glück scheinen Stefan und ich nicht allzu stark auf ihre Stiche zu reagieren. Wir haben Fotos von Menschen gesehen, deren Beine nur noch aus roten, riesigen Schwellungen bestanden. Windpocken sind nichts dagegen…

Te Waikoropupu Springs

Zuerst geht es heute zu den Te Waikoropupu Springs in Takaka (oder auch einfach nur „Pupu“ Springs genannt). Diese Frischwasserquellen sind besonders für die Klarheit ihres Wassers bekannt. Lediglich das Salzwasser aus dem Wedellmeer in der Antarktis und das Süßwasser aus dem Blue Lake im Abel Tasman Nationalpark sollen klarer sein. Die horizontale Sicht in dem konstant 11,7 °C kalten Wasser beträgt durchschnittlich 67 m und so bekommt man häufig den Eindruck, der Boden der Quelle läge zum Greifen nah.

Bekannt sind die „Pupu“ Springs aber nicht nur für ihre großen Sichtweiten, auch der Wasserausstoß ist rekordverdächtig. Es wird vermutet, dass hier beträchtliche 14 000 Liter Wasser pro Sekunde (!) produziert werden. Für die Mâori ist dieser Ort religiös bedeutsam, da hier laut der Legende der Wohnort des weiblichen Taniwha Huriawa liegt. Nach Mâori Tradition gilt das Wasser der Quellen als Schatz und heiliger Platz für die Ureinwohner der Region. Es wurde für Heilzwecke und Zeremonien anlässlich von Geburt, Tod, Abschied und Wiederkehr von Reisenden verwendet. Aus dem Grund erhielten bisher nur wenige Taucher die Erlaubnis, den See zu betauchen.

Te Waikoropupu Springs (Pupu Springs) in Neuseeland

Te Waikoropupu Springs (Pupu Springs) in Neuseeland

Hill Top Walk am Cape Farewell

Als nächstes fahren wir zum Cape Farewell. Auf dem Weg dorthin können wir beobachten, wie sich ein großer Greifvogel auf der Straße vor uns ein Possumkadaver schnappt. Im letzten Moment lässt er es allerdings wieder fallen. In der Hoffnung, dass er es nochmal probiert, halten wir am Straßenrand, aber er hat anscheinend das Interesse verloren und fliegt weiter. Schade, das wären schöne Aufnahmen geworden…

Greifvogel in Neuseeland

Am Cape Farewell gibt es einen recht großen, kostenlosen Parkplatz, von dem wir zur Viewpoint Plattform wandern. Auf den Felsen vor der Plattform sollen häufig Robben zu sehen sein, aber wir haben wohl entweder Pech oder einfach nur zu schlechte Augen. Rechts folgen wir nun dem Hill Top Walk am Rand der schroffen Steilküste. Der Wanderweg ist durch kleine rote Bänder markiert und führt uns direkt über die grünen Schafwiesen.

Der Wind ist hier unglaublich stark. So stark, dass er mich fast über die Klippen pustet. Unkontrolliert fegen die Böen über die Schafweide und ziehen uns bei jedem Schritt fast die Füße weg. Den Schafen scheint das nichts auszumachen. Ein junges Lamm versucht sich immer wieder auf den Rücken zu rollen, um dann im nächsten Moment durch den Wind wieder zurückgestoßen zu werden. So entstehen witzige Purzelbäume, bei denen das Kleine immer wieder auf die Mutter fällt. Wie kann man nur so süß sein?

Hill Top Walk am Cape Farewell in Neuseeland

Cape Farewell in Neuseeland

Hilltop Track am Cape Farewell in Neuseeland

Schiefe Bäume am Cape Farewell in Neuseeland

Lamm am Cape Farewell in Neuseeland

Blick über Farewell Spit

Über die Wiesen geht es weiter zum recht unspektakulären Pillar Point Lighthouse. Ab hier folgen wir dem Wanderweg noch circa 5 min. und 150 m Richtung Farewell Spit für einen ganz besonderen Aussichtspunkt. Von dem kleinen Sandplatz „Old Man“ an der Ecke hat man einen atemberaubenden Blick auf die Landzunge, über die gesamte Golden Bay, die raue Tasmansee und die saftig-grünen Highlands. Farewell Spit ist durch die starken Strömungen in der Cook Strait entstanden. Sie häufen den Sand derart stark an, dass die Landzunge innerhalb der nächsten fünf Jahre wahrscheinlich um weitere zwei Kilometer wachsen wird. Durch den starken Wind schimmert sie am Horizont in einem mystischen Dunst aus aufgewirbeltem Sand.

Wir sind ziemlich froh, dass wir sie momentan nur aus der Ferne sehen müssen. Von den insgesamt 35 km Länge sind nämlich lediglich 4 km der Öffentlichkeit zugänglich. Das Farewell Spit Nature Reserve gilt als äußerst wichtiges Vogelschutz -und Feuchtgebiet, dass nur im Rahmen von geführten Touren komplett besichtigt werden darf. Weitere Informationen findet ihr auf der Seite des oft empfohlenen Tourenanbieters Farewell Spit Eco Tours.

Eine Weile genießen wir noch den Blick über die Golden Bay mit ihrer starken Vegetation. Der Name ist Programm: es ist zur Zeit Ebbe und so schimmert der feuchte Sand nahezu goldfarben im Sonnenschein, während die hohen Wellen der Tasmansee lautstark an die Steilküste von Cape Farewell donnern. Unsere Faszination über die unzähligen Grüntöne ist einmal mehr nicht in Worte zu fassen. Um dem starken Wind zu entgehen, der uns auf dem Rückweg entgegenkommen würde, wählen wir die Schotterstraße zurück zum Wanderparkplatz. Leider ist diese Strecke nicht annähernd so schön wie der Hinweg über die Steilküste.

Farewell Spit und Golden Bay

Cape Farewell Spit

Puponga Point

Nach der Wanderung fahren wir zum Puponga Point. Hier gibt es eine Touristeninformation und einen kleinen Parkplatz, auf dem wir im Windschatten des Autos eine Suppe erhitzen. Nach der kleinen Stärkung wandern wir ein Stück am Strand entlang Richtung Farewell Spit. Einige schwarze Schwäne und Möwen tummeln sich in der Golden Bay, die leider häufig aufgrund ihrer Form und des starken Gezeitenwechsels zu einer tödlichen Falle für Wale wird.

Strand am Puponga Point

Schwarzer Schwan am Cape Farewell in Neuseeland

Gesicht im Fels am Cape Farewell

Zum Süden des Wharariki Beach

Unser nächstes Ziel wird einer der schönsten Strände Neuseelands werden: der Wharariki Beach. Hier treffen außergewöhnliche Felsformationen auf skurrile Dünenlandschaften und die raue Tasmansee. Zudem planschen in den Gezeitenpools hin und wieder Robbenbabys. Das müssen wir einfach sehen. Auf dem ausgeschilderten Parkplatz machen wir schon mal eine erste Begegnung mit „Wildlife“. Ein hübscher Pfau, der zum angrenzenden Cafe gehört, spaziert stolz an unserem Auto vorbei.

Pfau am Wharariki Beach in Neuseeland

Wir wandern vom Parkplatz zum südlichen Ende des Strandes. Dabei geht es 3 km über grüne Schafweiden, hohe Dünen und am idyllischen Dune Lake vorbei Richtung Süden. Nach circa 45 min zweigt der Weg am Nikau Lake rechts ab zum Strand. Staunend stehen wir auf einer Klippe und beobachten, wie die Wellen zwischen die natürlichen Felsskulpturen preschen. Ein Schild weist darauf hin, dass der Weg am Wharariki Strand entlang zum Parkplatz nur bei Ebbe begehbar ist. Wanderer, die bei der Umrundung der Felsküste oder in einer der kleinen Höhlen von der Flut überrascht werden, riskieren ihr Leben.

Naja, so wirklich als Ebbe kann man den momentanen Gezeitenstand noch nicht bezeichnen. Laut tosend prallen die kräftigen Wellen auf die Stone Bridge und rollen schließlich bis an die Dünen heran. Wir beschließen die kurzen Wellenpausen zu nutzen und uns von Felsvorsprung zu Felsvorsprung vorzuarbeiten. Ein bisschen Kletterei, ein bisschen Gerenne, ein paar Lachanfälle und wir stehen schließlich mit trockenen Füßen auf der großen natürlichen Steinbrücke. Von hier scheint es nun allerdings tatsächlich nicht mehr weiterzugehen: fast alle Wellen fluten die kleine vor uns liegende Bucht vollständig und die nächste Rettung in Form eines weiteren Felsens scheint unerreichbar. Wir warten noch circa 30 min bis sich das Meer etwas weiter zurückgezogen hat, aber dann müssen wir wohl oder übel weitergehen. Mittlerweile steht die Sonne schon recht tief und wir wollen noch bei Tageslicht am Parkplatz ankommen.

Schafweide am Wharariki Beach in Neuseeland

Steinbrücke am Wharariki Beach in Neuseeland

Im Süden vom Wharariki Beach in Neuseeland

Der Wharariki Beach – wild, ursprünglich und wunderschön

1, 2, 3! Laut lachend rennen wir gemeinsam barfuß los – und fangen an zu schreien, als in der Mitte der Bucht eine riesige Welle auf uns zurollt. Schneller! Wir schaffen es! Als wir um den ersten Felsvorsprung biegen, sehen wir es: der Strand dieser kleinen Bucht führt (anders als am südlichen Ende) bis tief in die Dünen hinein. Wir können einfach trockenen Fußes hinter den Felsen entlang laufen. Jetzt kriegen wir uns wirklich nicht mehr ein. Und dafür haben wir 30 min auf der Steinbrücke ausgehaart!

Nun zeigt sich uns der Wharariki Strand aber in seiner vollen Pracht. Der starke Wind peitscht die Wellen der rauen See an die vorgelagerten Monolithen. Im Hintergrund hat sich eine wunderschöne Dünenlandschaft gebildet, die im Dunst eines Sandsturms fast unwirklich wirkt. Der feine Sandstrand ist gespickt mit natürlichen Höhlen, Tunneln und Felsbögen, während sich dazwischen durch die Ebbe einige Gezeitenpools entwickelt haben. Leider finden wir in ihnen nicht die erhofften Robbenbabys. Halten sie sich hier vielleicht eher im warmen Sonnenlicht auf?Während wir über die Sanddünen Richtung Parkplatz wandern, peitscht uns der Wind den Sand ins Gesicht. Wir fühlen uns ein wenig, als wären wir in einen Saharasturm geraten. Einige DOC Schilder weisen nochmals auf die Robben hin. Haben wir sie einfach nur übersehen? Wie schade, aber wir werden es wohl nie erfahren…

Sonnenuntergang am Wharariki Beach

Sonnenuntergang am Wharariki Beach

Höhle am Wharariki Beach in Neuseeland

Wharariki Beach in Neuseeland

Wharariki Beach in Neuseeland

Höhle am Wharariki Beach

Sanddünen am Wharariki Beach

Dünen am Wharariki Beach in Neuseeland

Wharariki Beach Walk

Ein Stopp im Mussel Inn

Falls das Gate am Totaranui Campingplatz tatsächlich um 20:30 schließt, haben wir sowieso keine Chance mehr es pünktlich zu erreichen. Aus dem Grund entscheiden wir uns für einen spontanen Besuch beim Mussel Inn in Onekaka. Es ist ein gemütliches ungezwungenes Restaurant mit einem tollen Außenbereich an einer Feuerstelle. Wir essen natürlich die leckeren Muscheln, ein ebenso gutes Rumpsteak und gönnen uns dazu ein Manuka Bier. Inspiriert von dem 1773 ersten gebrauten Bier in Neuseeland, zählt dieses rot-braune Malzbier zu dem Aushängeschild der hauseigenen Brauerei des Mussel Inns. Seinen leicht süßen Geschmack erhält es vom Manuka-Baum, einem neuseeländischen Teebaum aus dem auch Honig hergestellt wird. Die medizinischen Möglichkeiten von dem anti-oxidantischen Manuka werden schon seit langem von den Mâoris genutzt.

Der Rückweg über die engen Serpentinen zum Totaranui Campsite ist im Dunkeln ziemlich anstrengend. An jeder Ecke funkeln uns Augen aus dem Gebüsch entgegen und ein Possum mit seinem Jungen auf dem Rücken läuft im Scheinwerferlicht fast kontinuierlich vor unserem Auto her. Kein Wunder, dass so viele der kleinen Zwerge tot am Straßenrand zu finden sind.
Ein kleiner Tipp am Rande: das Tor am Totaranui Campsite hatte tatsächlich geöffnet und so konnten wir bis zu unserem Stellplatz vorfahren… 😉

Wie ging es weiter?

 

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