Wasserfall am Eissteg (Winter im Eistobel)

Allgäu – Eistobel im Winter

In Allgemein, Deutschland, Europa by Naddl2 Comments

Der Eistobel in Isny ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. An manchen Ecken fließt die Argen hier malerisch vor sich hin, an anderen rauscht sie tosend über Wasserfälle in bunte Pools. Wasseramseln fliegen tief über den Fluss, hohe Sandsteinwände geben dem Besucher ein Gefühl der Enge, Brücken führen über tosende Engstellen. Doch so schön dieses Wasserspiel auch ist, im Winter offenbart der Eistobel ein ganz besonderes Naturschauspiel. Wenn der Eistobel offiziell geschlossen ist, verwandeln Schnee und Eis die Schlucht in eine spektakuläre Winterwunderwelt. Wasserfälle frieren ein, riesige Eiszapfen hängen von den Felsüberhängen und wo es sonst plätschert und tropft entstehen lange Eisvorhänge und Eishöhlen.

Begleitet uns auf einer Wanderung durch den zugefrorenen Eistobel und erfahrt, was ihr bei einem Besuch im Winter beachten solltet.

Wasserfall am Eissteg (Winter im Eistobel)

Was ist der Eistobel?

Nur einen Steinwurf von unserer Haustür entfernt, nämlich in der Nähe von Isny im Allgäu, liegt eines der offiziell schönsten Geotope Bayerns. Der Eistobel entstand vor knapp 15 000 Jahren als Abflussrinne eines Schmelzwassersees. Im Laufe der Jahre vertiefte sich die Schlucht immer weiter. Härtere und weichere Gesteinsschichten wechseln sich im Flusslauf der Argen ab, die die weicheren Schichten aus Sandstein oder Mergel immer weiter abträgt. So entstehen gewaltige Strudeltöpfe mit bis zu 5 Metern Wassertiefe. Über Geländestufen aus hartem Nagelfluhgestein stürzt das Wasser in Form von zahlreichen Wasserfällen in kleinere Becken. Schnelle Kaskaden wechseln sich mit langsam fließenden Abschnitten ab und bilden so ein einmaliges Biotop.

Im Sommer ist der Eistobel ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, der Fluss und die Felsüberhänge laden zum Spielen und Entdecken ein. Im Winter verwandeln frostige Temperaturen die Schlucht in eine Märchenwelt aus Schnee und bizarren Eisformationen. Bei gemäßigten Temperaturen gestaltet sich die 3,5 km lange Wanderung sehr einfach, im Winter sollten jedoch einige Dinge beachtet werden.

Eisformation im Eistobel im Winter

Sicherheit & Equipment

Grödel/Steigeisen

Im Winter ist der Eistobel zwar zugänglich, gilt aber offiziell als geschlossen. Zwar ist die Begehung erlaubt, doch ist weder der Infopavillon geöffnet, noch werden die Wanderwege geräumt. Je nach Schnee -und Frostlage kann es hier also äußerst rutschig zugehen. Wenn der Schnee genauso hoch wie die Seilsicherung liegt, kann es unter Umständen sogar zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Ein Sturz in das eiskalte Wasser ist bei frostigen Wintertemperaturen nicht zu empfehlen. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass nicht überall in der Schlucht Handyempfang herrscht, so dass eine schnelle lebensrettende Hilfe nicht immer garantiert ist.

Aus dem Grund sind Grödel oder Steigeisen unter den Wanderschuhen dringend zu empfehlen. Darüber hinaus bieten sie eine überaus komfortable Möglichkeit sich auf den spiegelglatten Eisflächen fortzubewegen. So erinnert das Ganze fast an eine Wandertour im Sommer… 😉 Benötige ich tatsächlich Grödel? Eine gute Einschätzung gibt gleich der erste Abstieg vom Eingang Richtung Argentobelbrücke. Weiß man sich hier schon nicht mehr anders zu helfen, als auf dem Allerwertesten runterzurutschen, dann sollte man besser wieder umkehren.

Fotografin am Eisvorhang im Eistobel

Was für ein G(e)rödel bitteschön?

Grödel sind Leichtsteigeisen oder Halbsteigeisen. Sie werden unter die Schuhe geschnallt und dienen zum sicheren Gehen im Schnee, zum Überqueren von Altschneefeldern und vereisten Wegstücken. Im Gegensatz zu Steigeisen sind sie leicht, günstig und passen unter jeden Schuhtyp. Für Hochtouren oder zum Klettern sind sie nicht geeignet, da sie keine Frontalzacken besitzen. Steigeisen besitzen in der Regel 10 – 12 Zacken, Grödel meistens 4 – 6 Zacken.

Wir haben die 6-Point-Grödel von Edelrid, mit denen wir sehr zufrieden sind. Wie der Name schon sagt, besitzen sie 6 Zacken und werden mit einer Riemenbindung unter den Schuh geschnürt. Während unserer Wanderung haben sie uns einen sicheren Tritt sowohl auf Eis, als auch auf steilen Altschneehängen gegeben. Selbst auf Felsen ist man mit ihnen komfortabel unterwegs und die Zacken sind stabil genug, um dieser Belastung zu trotzen. Mit einer Münze lassen sich die Kunststoffplatten unter den Grödeln verschieben und so auf alle Schuhgrößen -und breiten anpassen.

Zumindest ist das die Theorie hinter den One-Size-Modellen. Die Praxis sieht allerdings so aus, dass sie unter meine klobigen Wanderschuhe in Größe 38 perfekt passen (ich sie aber auch wirklich auf der kleinstmöglichen Einstellung habe), sie sich unter Stefan´s Wanderschuhe in Größe 42 allerdings nur mit Mühe, Not und viel Kraftaufwand schnallen lassen. Die Kunststoffplatte lässt sich einfach nicht breit genug einstellen. So sitzen die Zacken bei mir schön mittig, während Stefan aufpassen muss, dass er beim Gehen nicht zu weit nach Vorne abrollt. Alles in allem also ein toller, qualitativ hochwertiger Grödel für einen festen Tritt auf eisigen Stellen, der jedoch eher für Schuhgrößen <42 geeignet ist.

6-Point-Grödel von Edelried

Grödel im Eistobel im Winter

Sonstiges

Bei Tauwetter sollte man natürlich beim Betreten der Eisflächen vorsichtig sein, sowie in den Eisgrotten auf herunterbrechende Eiszapfen achten.
Das Schwimmen ist im Eistobel verboten. Mehrere Schilder machen auf die Gefahren durch Strömungen und bis zu fünf Meter tiefe Unterwasserstrudel aufmerksam. Selbst gute Schwimmer können hier in die Tiefe gezogen werden. Gut, im Winter haben wahrscheinlich sowieso die wenigsten Lust auf einen kleinen Badeausflug…

Die Wanderung

Eingang/Argentobelbrücke

Am Gästehaus Faltner in Grünenbach stehen etliche Parkplätze zur Verfügung. Hier befindet sich auch der Infopavillon, in dem man im Sommer interessante Informationen über die Geologie, Fauna und Flora im Eistobel bekommt. Ein Kurzfilm zeigt die Schlucht im Verlauf der Jahreszeiten. Vor dem Infopavillon kann man sich auf einer Bank die Grödel/Steigeisen anziehen und den Tobel über ein Drehkreuz betreten. Im Sommer wird eine Eintrittsgebühr von 1,50 € verlangt, im Winter kann ein freiwilliger Obulus in eine kleine Kasse gelegt werden.

Direkt dahinter beginnt der Abstieg über Treppen durch den Wald Richtung Argentobelbrücke. Ohne Grödel/Steigeisen kann dieser kurze Abschnitt schon zu einer Rutschpartie werden, da die Stufen im Winter oft vereist sind. Wer bereits hier nur noch auf dem Allerwertesten weiterkommt, sollte von der Wanderung lieber Abstand nehmen.

Argentobelbrücke im Eistobel

Eisinseln am Ast im Eistobel

An der Argen

Unten angekommen folgt man den Schildern flussaufwärts. Ein einfacher Weg führt ohne Steigungen am ruhigen Fluss entlang, in dem sich interessante Eisformationen an kleineren Felsbrocken gebildet haben. Kleine Wasserfälle am Ufer sind eingefroren und der Sandstrand ist fast vollständig von Schnee bedeckt. Wir haben Glück und sehen eine der seltenen Wasseramseln. Das Besondere an diesen flinken Singvögeln ist ihre Fähigkeit zu Tauchen. Während ihrer bis zu 30 Sekunden langen Tauchgänge sammeln sie Insektenlarven und Kleinkrebse vom Grund des Baches auf.

Eisformation im Eistobel im Winter

Eistobel im Winter

Eisformation im Eistobel im Winter

Mini-Wasserfall im Eistobel im Winter

Wasseramsel im Eistobel

Erste Wasserfälle

Nach circa 20 Minuten erreicht man die ersten Wasserfälle, die über mehrere Stufen aus hartem Nagelfluhgestein rauschen. Hier befinden sich auch einige, für den Eistobel typische Strudellöcher. Zum Teil schimmern die Pools in verschiedenen Blau -und Grüntönen und bilden einen tollen Kontrast zu der weißen Schneelandschaft. Mit Grödeln kann man sich über die zugefrorene Holzbrücke an den ersten Fällen trauen und so den Eisgebilden an den Kaskaden näher kommen. 

Erste Wasserfälle im Eistobel im Winter

Eisformation im Eistobel im Winter

Bunte Strudelbecken (Eistobel im Winter)

Gefrorener Wasserfall im Eistobel im Winter

Wassertropfen in Nahaufnahme

Wasserfall im Eistobel im Winter

Eisgrotte

Etwa 10 Minuten hinter den ersten Wasserfällen kann man eines der Highlights des winterlichen Eistobels erkennen. Rechts oberhalb des Weges hat sich ein beeindruckender Eisvorhang an der Felswand gebildet. Das stetig herabtropfende Wasser ist in den letzten Frosttagen zu zahlreichen langen, dicken Eiszapfen gefroren. Der kurze, steile Weg zu dieser Eisgrotte ist im Schnee zwar recht mühsam, lohnt sich aber definitiv. Das Sonnenlicht lässt die kristallblauen, durchsichtigen Eiszapfen geradezu leuchten, während die etwas älteren gelblich-weißen Zapfen einen undurchsichtigen Eisvorhang bilden.

Eisgrotte im Eistobel (Allgäu)

Eisgrotte im Eistobel

Eiszapfen im Eistobel (Winter)

Eisgrotte im Eistobel (Allgäu)

Eisgrotte im Eistobel (Allgäu)

Großer Wasserfall

Ein paar Meter weiter stürzt der Große Wasserfall 18 Meter über eine Felswand in einen tiefes, enges Becken. Leider bilden sich hier durch die enormen Wassermassen und seine beachtliche Höhe nur wenige Eisgebilde, weshalb der Große Wasserfall im Winter nicht annähernd an die Schönheit der restlichen Kaskaden im winterlichen Eistobel herankommt.

Großer Wasserfall (Eistobel im Winter)

Zwinger

Kurz über dem Großen Wasserfall wird das Wasser durch die hier recht enge Schlucht mit gewaltigen Felsblöcken gespült. Eine kleine Aussichtsplattform bietet einen tollen Blick über diese Engstelle. Doch auch am Zwinger gilt das gleiche wie für den Großen Wasserfall. Die schnellen Wassermassen verlangsamen die Entstehung der bizarren Eisformationen. Ab jetzt geht der Tobelweg steil und eng an den riesigen Wänden aus Nagelfluhgestein entlang. Auch hier haben sich gewaltige Eiszapfen gebildet, die bis auf den Weg reichen. Bei sehr hoher Schneelage kann es passieren, dass die Sicherung auf gleicher Höhe wie der Weg verläuft. In dem Fall sollte man nur noch mit Grödeln weiterwandern, denn ein Sturz in die enge, hohe Schlucht hätte fatale Folgen. Direkt gegenüber von der Aussichtsplattform am Zwinger befindet sich noch ein weiterer etwas kleinerer Eisvorhang, der ebenfalls besucht werden kann.

Eiszapfen im Eistobel

Wasserfall am Eissteg

Hinter dem Zwinger kommen wir zum letzten nennenswerten Wasserfall im Eistobel. Der Wasserfall am Eissteg ist malerisch von zwei Felswänden eingerahmt und bietet ein tolles Fotomotiv. Unter dem ersten Becken strömt das Wasser nochmals über zwei Stufen in einen ruhigeren Teil der Oberen Argen. Ein tolles Schauspiel wie sich das Wasser seinen Weg durch das Eis bahnt. Große Eiszapfen ragen von einer hohen Felswand bis in den Fluss hinein und kleine Inseln aus Schnee und Eis verwandeln den Teil des Eistobels in eine winterliche Märchenwelt.

Wasserfall am Eissteg (Winter im Eistobel)

Gefrorener Wasserfall am Eissteg (Winter im Eistobel)

Gefrorener Wasserfall am Eissteg (Winter im Eistobel)

Stausee und große Nagelfluhwand

Oberhalb des Wasserfalls am Eissteg kreuzt der Tobelweg die Schlucht über eine kleine Brücke. Von hier folgen wir der Beschilderung Richtung Schüttentobel. Links von uns baut sich eine große, zugefrorene Wand im Wald auf, die von einem Eiskletterer genutzt wird. Zu unserer Rechten wurde die Argen zu einem kleinen See aufgestaut. Dahinter thront eine weitere über 50 Meter hohe, beeindruckende Wand aus Nagelfluhgestein.

Eiskletterer im Eistobel (Allgäu)

Fotografieren am Eistobel

Eingang Schüttentobel

Wir folgen dem Weg weiter bis zu einer großen Stahlbrücke mit Drehkreuz. Dies kennzeichnet den zweiten Eingang zum Eistobel am Parkplatz Schüttentobel. In den Sommermonaten muss der Eintritt an einem Automaten bezahlt werden. Wir kehren um und folgen dem gleichen Weg wieder durch den Tobel zurück zum ersten Eingang.

Die Rückwege

Für Liebhaber von Rundtouren und für alle, die nicht noch einmal durch die Schlucht wandern wollen, gibt es drei Alternativen für den Rückweg. Variante 1 führt rechts vom Wasserfall am Eissteg nach Riedholz und dann über die Argentobelbrücke wieder zurück zum Infopavillon. Die Route findet ihr weiter unten im Blog. Variante 2 ist knapp 4 km länger und eine Erweiterung der ersten Tour. Sie führt an der Ruine Hohenegg und über die Riedholzener Kugel zurück nach Riedholz und der Argentobelbrücke. Beide Wege bieten die Möglichkeit im Gasthof Adler in Riedholz einzukehren und sich aufzuwärmen. Die dritte Variante verläuft links hinter dem Wasserfall am Eissteg nach Staufenberg und zurück zum Infopavillon. Dies ist die kürzeste Rundtour.

Eingefrorener Ast im Eistobel

Eisvorhang am Eistobel (Allgäu)

Fazit

Die Wanderung durch den eingefrorenen Eistobel ist mit dem richtigen Equipment ein kleines Abenteuer für Jedermann und ein grandioser Spot für Fotografen. An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken – Wasserfälle, Eiszapfen, verschneite Mooshänge, kleine Sandstrände mit Eiskristallen, zauberhafte Eisgrotten und eine lebhafte Tier -und Vogelwelt. Wir sind immer wieder überwältigt von der Vielfalt dieses Geotops. Durch die stetige Veränderung des Eistobels im Winter, macht es durchaus Sinn ihn mehrmals zu besuchen. Jedes Mal sind wir verblüfft, wie sehr sich das Aussehen der Schlucht innerhalb von einer Woche wandeln kann. Besonders nach starken Frostperioden oder massivem Schneefall lohnt sich ein Besuch in der Winterwunderwelt des Eistobels. Auf den unteren Bildern sieht man die ersten Wasserfälle bei unserem Besuch am 25.02.2018 und eine Woche später am 03.03.2018.

Wasserfall mit Eiszapfen im Eistobel (Allgäu)

Erste Wasserfälle im Eistobel im Winter

Auf Outdooractive findet ihr unsere Route:

 

Wie der Eistobel im Sommer aussieht, könnt ihr im tollen, informativen Beitrag von Schöne-Aussicht.de sehen.

Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Homepage des Geotops.

Lust auf weitere Wanderungen im Allgäu?

Comments

  1. Das muss jetzt einfach einmal gesagt werden: Ihr habt einen hochgradig spannenden und richtig gut geschriebenen Beitrag verfasst. Der wird allerdings noch getoppt durch die fantastischen Bilder. Zusammen unschlagbar. Und soweit ist der Eistobel gar nicht von Stuttgart entfernt, als dass er unerreichbar wäre. Wieder ein Tag weniger zum Planen :), aber vermutlich im Sommer, da ich mir nicht sicher bin, ob ich so winterfest bin wie ihr. Auf jeden Fall vielen Dank für die tollen Impressionen aus dem Allgäu.

    Gruß
    Andreas

    1. Author

      Hi Andreas, vielen Dank! Der Eistobel ist auf jeden Fall auch im Sommer eine Reise von Stuttgart aus wert. Den Trip könnt ihr dann gleich mit einem Besuch der schönen Buchenegger Wasserfälle verbinden. Besonders genial, wenn das Wetter zum Schwimmen einlädt. Trotzdem: im Winter ist der Eistobel immer noch mein absoluter Favorit! 🙂

Leave a Comment